"Templerritter" mit Neonazi-Unterstützung

20. Oktober 2011, 20:01
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Ominöse Demo-Aufrufe im Internet

Wien - Eine Anti-EU-Demo hätte kommenden Samstagnachmittag auf dem Ballhausplatz statt finden sollen. Aufgerufen hatte dazu die sogenannte "Österreichische Bürgerpartei" und diverse Vereine, von denen man landläufig noch nie etwas gehört hat. Anfang dieser Woche mobilisierten dann auch Mitglieder der Neonazi-Szene auf einer neuen Website - inhaltlich und optisch die Nachfolgeseite von Alpen-Donau.info - für die Demo: "Achtung!Demonstration gegen die europäische Sowjet-Union!", hieß es auf der Seite, die mittlerweile nicht mehr für jeden erreichbar ist. Am Donnerstag wurde die Demo bei der Polizei abgemeldet.

Die besagte Bürgerpartei führte im Internet auch den von der FPÖ ausgeschlossenen und kürzlich aus gesundheitlichen Gründen auch als Abgeordneter aus dem Parlament ausgeschiedenen Werner Königshofer an. Dieser will auf Nachfrage des Standard nie die Partei, sondern nur den Demo-Aufruf unterstützt haben: "Ich wäre aber am Samstag gar nicht in Wien gewesen", so Königshofer. Andere wollen nun aber trotzdem demonstrieren: "Anti-EU-Demo abgesagt!!! - Morgen Kopten-Demo!", hieß es in einem neuen Aufruf, der am Donnerstag auf einer rechtsradikalen Seite im Netz auftauchte.

Initiator der abgemeldeten Demo war Hans-Georg P., der sich als "Templerritter" und Pastor einer Urchristengemeinde bezeichnet. Der Mann steht auch hinter den meisten Vereinen, die im Netz zur Kundgebung aufriefen. Es ist nicht klar, ob er eine Gruppe hinter sich hat oder alleine agiert. Im Parlament hat er jedenfalls Hausverbot. Denn dort warf P. am 21. September von der Journalistentribüne Flugblätter auf Mandatare. Der Grünen-Abgeordnete Karl Öllinger sagt über den "Pastor", der mehrere Identitäten im Netz benutzt: "Er ist völlig durchgeknallt, und gerade deshalb gefährlich." Im ursprünglichen Demo-Aufruf, der im Netz kursierte und dem Standard vorliegt, wurde mit dem Foto eines Galgens und dem Satz "Henkt die Verräter!" zur Lynchjustiz an ÖVP, SPÖ und Grünen aufgerufen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)

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