Exotische Frosch-Vielfalt im Tiefland Boliviens

23. Oktober 2011, 17:28
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Forscher versuchen bislang unbekannte Arten aus dem vielstimmigen Gequake herauszuschälen

Frankfurt - Das topografisch sehr abwechslungsreiche Bolivien ist als Hort der Artenvielfalt geradezu prädestiniert - so sind beispielsweise etwa 300 Froscharten in dem südamerikanischen Land bekannt; bislang. Streift man während der Regenzeit durch die Feuchtgebiete der Savannen im bolivianischen Tiefland, schallen von überall die Rufe der Froschmännchen nach ihren Weibchen, berichtet das Senckenberg Forschungsinstitut. Trotz der enormen Artenvielfalt sei die Region aber bisher wenig erforscht.

Vom "Set" ...

Daher hat das Institut eine Bestandsaufnahme durchgeführt und dabei neben klassischen Methoden auch auf moderne Techniken wie DNA-Sequenzanalysen an erwachsenen Tieren und Kaulquappen oder die Bioakustik zur Bestimmung der Frösche zurückgegriffen. Die Ergebnisse der im Fachblatt "Zoologica Scripta" veröffentlichten Studie zeigen, dass die Artenvielfalt der Frösche deutlich höher ist, als bisher angenommen. 33 potenziell neue Froscharten wurden entdeckt - "potenziell" deshalb, weil die Bestimmung einige Tücken mit sich bringt: Oberflächlich sehen die Tiere bereits bekannten Arten oft sehr ähnlich.

Zunächst fotografierten die Forscher um Martin Jansen charakteristische Arten, sammelten Kaulquappen und zeichneten mit Hilfe von Mikrofonen und Aufnahmegeräten die Rufe der Männchen auf. Von allen Fröschen wurden außerdem Gewebeproben entnommen und konserviert. Zurück in Frankfurt wurde das gesammelte Material in herkömmlicher Weise, also anhand morphologischer Merkmale bestimmt. 

... zur "Post Production"

Dieser traditionellen Vorgehensweise folgte eine moderne: Hierzu wird das Erbgut der Tiere untersucht, um sie anhand von charakteristischen Sequenzen ihrer Erbinformation unterscheiden zu können. Die genetischen Identifizierungs-Codes wurden untereinander und in der öffentlich zugänglichen Datenbank des "International Consortium for the Barcode of Life" verglichen. Eine Abweichung der Gensequenz bis zu einem Prozent deuten die Frankfurter Wissenschafter als innerartliche Variation, ab etwa zwei bis drei Prozent kann es sich um eine andere Art handeln und ab sechs Prozent gilt dies als bewiesen. Auch das Erbgut der gesammelten Kaulquappen wurde analysiert; so konnten die Jungtiere den erwachsenen Fröschen zugeordnet werden und bei der Bestimmung der Froscharten helfen.

Um die Ergebnisse zusätzlich abzusichern, wurde von den Wissenschaftern als dritte Bestimmungsmethode die Bioakustik eingesetzt. Dass männliche Frösche die Schallblasen aufpusten, um Weibchen zu beeindrucken, ist allgemein bekannt, dass dieses - zum Teil über 90 Dezibel laute - Werben auch zur Artbestimmung herangezogen werden kann, weniger. Insgesamt analysierten und verglichen Jansen und sein Team 2.092 Rufaufzeichnungen einzelner Froscharten am Computer, um so die "unklaren Fälle" zuordnen zu können. Die potenziell neuen Arten - noch haben sie "Kandidatenstatus" - müssen nun in Folgestudien beschrieben und damit formal der Wissenschaft bekannt gemacht werden. (red)

  • Ein naher Verwandten des Gepunkteten Laubfroschs (Hysiboas punctatus)
    foto: martin jansen (senckenberg)

    Ein naher Verwandten des Gepunkteten Laubfroschs (Hysiboas punctatus)

  • Kaulquappe eines Makifroschs
    foto: arne schulze

    Kaulquappe eines Makifroschs

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