Schnorren für die Jugendkultur in Salzburg

18. Oktober 2011, 18:52
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Dem ältesten Jugendzentrum fehlen 40.000 Euro und dem freien Radio "Radiofabrik" noch 10.000 Euro - Kommt kein Geld, droht das Aus für beide Projekte

Salzburg - Die Sache ist einigermaßen grotesk: Eine halbe Million Euro haben Stadt und Land Salzburg in den Umbau des Jugendzentrum Mark im Stadtteil Sam gesteckt. Und trotzdem kann Salzburgs ältestes Jugend- und Kulturzentrum - Gründungsjahr 1966 - nicht wiedereröffnen.

Es fehlen etwas mehr als 40.000 Euro, um Behördenauflagen wie zum Beispiel die Installierung einer Brandmeldeanlage zu erfüllen. Bevor aber nicht alle Auflagen erfüllt sind, darf das Jugendzentrum nicht öffnen. Solange das JuZ aber geschlossen hat, gibt es auch keine Einnahmen, mit denen die fehlenden Einrichtungen bezahlt werden könnten.

Finanzierung nicht in Sicht

Stadt und Land wissen von der misslichen Lage, die Kulturpolitiker aller Fraktionen lehnen sich aber zurück. Eine zusätzliche Finanzierung ist nicht in Sicht, dem mit viel Geld neu errichteten Jugendkulturhaus droht das Aus.

Nicht ganz so dramatisch, aber zumindest vergleichbar ist die Lage der Radiofabrik. Salzburgs freies Radio sendet derzeit nur Mono und erreicht vom Sendestandort Maria Plain aus nicht einmal das gesamte Stadtgebiet.

Heuer hat die Radiofabrik die Genehmigung für einen alternativen Senderstandort erhalten. Allein es fehlt das Geld für die neue Anlage. Diese würde 20.000 Euro kosten. Bis dato gibt es nur von der Stadt Salzburg eine Investitionszusage über 10.000 Euro.

Das Land wird nichts beisteuern. Von der Erhöhung der Rundfunkgebühren durch das Land ab 2012 wird die Radiofabrik übrigens keinen Cent sehen.

Crowdfunding

Um den Sender doch noch finanzieren zu können, beziehungsweise um das Jugendzentrum doch noch aufsperren zu können, sehen sich die Mitarbeiter der Radiofabrik und des Mark zum Betteln gezwungen. "Crowdfunding" (Schwarmfinanzierung) heißt die euphemistische Umschreibung für die via Internet organisierten Schnorraktionen.

Dabei hofft man nicht auf einige große Gönner sondern viele, viele kleine Spender. Die Radiofabrik kann jedenfalls einen ersten Erfolg vermelden: Eine Senderwallfahrt zum neuen Standort vergangenes Wochenende hat rund 2700 Euro gebracht. (Thomas Neuhold, DER STANDARD-Printausgabe, 19.10.2011)

  • Neu gebaut, trotzdem geschlossen: das Mark in Salzburg.
    foto: mark

    Neu gebaut, trotzdem geschlossen: das Mark in Salzburg.

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