Polizei stoppte Sezierkurs in St. Pöltner Spital

14. Oktober 2011, 06:15
88 Postings

Studenten der privaten Zahn-Uni in Krems sollen mit illegal importierten Schädelteilen hantiert haben

St. Pölten - Waren es tatsächlich illegal eingeführte Schädelteile, an denen Zahnmedizin-Studenten der Kremser Danube Private University (DPU) in den Räumlichkeiten des Landeskrankenhauses St. Pölten herumgedoktert haben? Oder handelt es sich bei der anonymen Anzeige, die wegen dieses angeblichen Sachverhaltes Anfang der Woche bei der Polizei einging, bloß um "Verleumdung", wie man bei der DPU vermutet?

Die Polizei sah sich am Dienstag jedenfalls veranlasst, einen Sezierkurs zu stoppen, zwei Beamte führten Einvernahmen in der pathologischen Abteilung des Spitals durch und sprachen auch mit den Verantwortlichen der Kremser DPU. Der Vorwurf: Die Humanpräparate, an denen die angehenden Zahnärzte übten, seien ohne Genehmigung aus Ungarn nach St. Pölten gebracht worden. Während die Polizei noch prüft, ist man sich an der DPU keiner Schuld bewusst: Die benötigten Schädelteile gebe es in Österreich schlicht nicht, am Import von der Universität Budapest sei "nichts Schräges".

Polit-Streitthema DPU

Der Polizeieinsatz ist freilich auch politisch brisant. Seit längerem schwelt ein Konflikt um die Frage, inwieweit das Land - respektive die Landeskliniken-Holding - mit der privaten Zahnmedizin-Uni kooperiert, deren Studierende 12.000 Euro pro Semester für ihre Ausbildung bezahlen. Die noch im Ausbau befindliche DPU, deren Studienbetrieb im Herbst 2009 startete, hatte anfangs ihren Studenten versichert, dass sie die für die Ausbildung notwendigen Praktika an niederösterreichischen Spitälern absolvieren könnten.

Anfang 2011 folgte dann ein einstimmiger Landtagsbeschluss, mit dem festgehalten wurde, dass "hinsichtlich der Praktika keine Verpflichtung der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding bzw. des Landes besteht", die Uni musste einen entsprechenden Hinweis von ihrer Website nehmen. Außerdem beauftragten die Mandatare die Landesregierung, die Akkreditierung der Zahn-Uni überprüfen zu lassen.

Es gebe keinerlei Zusammenarbeit mit der DPU, betonte eine Sprecherin des St. Pöltner Landesklinikums am Donnerstag: "Im vorliegenden Fall wurde nur ein Raum zur Verfügung gestellt." Auch an der DPU ist man überzeugt, dass die "einmalige Vermietung" nicht dem Landtagsbeschluss widerspricht, dafür brauche es keine politische Willenserklärung. Zehnmal je einen halben Tag lang hätten Kremser Studenten unter Anleitung von DPU-Professoren in St. Pölten seziert, da die Räumlichkeiten in Krems noch nicht fertiggestellt seien.

STANDARD-Informationen, wonach es sich bei der Angelegenheit um den Alleingang eines Mitarbeiters gehandelt haben soll, bestätigte das Krankenhaus auf Anfrage nicht: Die ärztliche Direktion sei informiert gewesen. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10. 2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kremser Studenten sezierten Schädelteile aus Ungarn. Ob das legal war, muss die Polizei klären.

Share if you care.