Feine Welt trifft kleine Welt trifft reine Welt

13. Oktober 2011, 16:55
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Die zweitkleinste Baureihe von Mercedes wächst auf 4,36 Meter Länge - und auch sonst über sich hinaus. Und: Eine Handvoll Derivate werden folgen

Es war 2005, als der Baby-Benz einen "großen" Bruder bekam, sich zur A-Klasse jene mit der Kennung B gesellte. Als Ableger der zweiten Generation A-Klasse und mit demselben schlauen Sondermerkmal namens Sandwichboden. Eine Konstruktion, die es erlauben sollte, alternative Antriebssysteme unterzubringen.

Der visionäre Ansatz fände inzwischen tatsächlich Bedarf, Mercedes verwirft ihn aber zugunsten einer modularen Lösung, bei der die Technik unter anderem unter der Rücksitzbank verschwindet. Begrüßenswertester Effekt: Die Insassen müssen nun nicht mehr mit angewinkelten Beinen sitzen.

B- und A-Klasse (ab Herbst 2012) bekommen übrigens etliche Gschwisterln, darunter einen SUV-Ableger (BLK?) und ein viertüriges Coupé, eine Art Mikro-CLS (BLS?). Das bringt 1.) Applaus, 2.) Stückzahl und damit 3.) die Kosten dramatisch runter in der Baureihe, hoffen die Macher.

Doch zurück zur B-Klasse. Hat sich ja einiges getan. Es gab unter anderem einen Wachstumsschub. Um 90 mm in der Länge beispielsweise. 4,36 m, damit manövriert die B-Klasse sich zugleich aus den Golf-Dimensionen hinaus.

Innen darf man staunen, da hat Mercedes von Audi gelernt, dass nämlich noble Anmutung in jeder Fahrzeugklasse finden darf, wer bereit ist, teuer in das Attribut Premium zu investieren. Materialien, Qualitätsanmutung, das ist eine ganz neue Dimension, feine Welt trifft kleine Welt, Kompliment auch an die Designer. Die setzten außen auf Wiedererkennung – und gleichzeitig ist die B-Klasse eine eindeutige Repräsentantin des aktuellsten Mercedes-Stils, bis hin zur markanten Seitensicke.

Technisch verabschiedet die B-Klasse sich ferner von der ungeliebten CVT-Automatik, deren (damals simulierte) sieben Gänge allerdings bleiben. Jetzt also – Kapelle, Tusch bitte: Mercedes steigt in die Doppelkupplungsära ein, herzlich willkommen. Fährt sich auf Anhieb, wie es sein soll, ohne lästiges Geruckel, wie das bei manchen VW-Epigonen anfangs der Fall war, an so was merkt man, was für eine Technologiesupermacht diese Firma immer noch ist. 7G-DCT nennt es sich, wir verschweigen vornehm, für welches englische Wortungetüm das wieder steht, und es ist die einzige Alternative zur 6-Gang-Schaltung, an der auch nix zu bekritteln ist.

Motorisch zur Auswahl stehen zwei Diesel (109, 136 PS) und Benziner (122, 156 PS), alle so sparsam, dass Mercedes sie mit dem Kürzel Blue Efficiency schmückt, kleine Welt trifft reine Welt oder so. Im besten Fall (beide Diesel) ergab der Normtest 4,4 l / 100 km, im "übelsten" (beide Ottos) 5,9.

Das, was schon bei der C-Klasse zu beobachten war, setzt sich nach unten fort: Etliche Assistenzsysteme finden Eingang in die B-Klasse. Darunter, da ist Mercedes besonders stolz, weil erstmals in der Klasse, der potenzielle Unfallverhinderer "Collision Prevention Assist". Serienmäßig eingebaut.

Zu erwähnen sind noch: exzellente Abroll- und Handlingeigenschaften. Vor allem aber: Noch nie so entspannt gesessen in einer B-Klasse. Vorn wie hinten. Rundum gelungene Neuauflage. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/14.10.2011)

  • Design? Ein bisserl keck und sehr viel brav. Und: 20 Prozent weniger Verbrauch!
    foto: werk

    Design? Ein bisserl keck und sehr viel brav. Und: 20 Prozent weniger Verbrauch!

  • Innen wird nun auch die B-Klasse zum echten Mercedes - so edel ging's hier noch nie zu.
    foto: werk

    Innen wird nun auch die B-Klasse zum echten Mercedes - so edel ging's hier noch nie zu.

  • 486 l fasst der Kofferraum, mehr als die C-Klasse-Limousine (475 l). Durchdachtes Konzept.
    foto: werk

    486 l fasst der Kofferraum, mehr als die C-Klasse-Limousine (475 l). Durchdachtes Konzept.

  • Link: Mercedes
    grafik: der standard

    Link: Mercedes

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