Burma: Suu Kyi wird in Militärgefängnis festgehalten

5. Juni 2003, 13:57
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Gesundheitszustand der Oppositionsführerin unklar - Bei Aufständen möglicherweise bis zu 80 Menschen getötet

Rangun - Nach ihrer erneuten Festnahme durch die herrschende Militärjunta wird die Symbolfigur der burmesischen Demokratiebewegung, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, nach Angaben informierter Kreise in einem Armeegefängnis festgehalten. Die Haftanstalt befinde sich nahe des Orts Ye-Mon, rund 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt Rangun, verlautete am Donnerstag aus diplomatischen Kreisen, die sich auf gut informierte Quellen beriefen. Es sei nicht bekannt, ob die 19 ebenfalls am Wochenende festgenommenen Funktionäre ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) auch dort seien.

Unterschiedliche Angaben über Todeszahlen

Unklarheit gebe es nach wie vor über den Gesundheitszustand der Friedensnobelpreisträgerin. Allerdings seien Berichte glaubhaft, nach denen Suu Kyi bei Zusammenstößen zwischen NLD-Anhängern und Gefolgsleuten der Junta von General Than Shwe am vorigen Freitag im Norden des Landes leichte Verletzungen im Gesicht und an der Schulter erlitten habe, die von Glassplittern eines Autofensters herrühren könnten. Nach offiziellen Angaben kamen bei den Krawallen vier Menschen ums Leben. Die NLD hingegen berichtete von mehr als 70 Toten.

Parteibüros der NLD landesweit geschlossen

Das Militär hatte mitgeteilt, der Friedensnobelpreisträgerin gehe es "gut". Unklar ist das Schicksal des NLD-Vizevorsitzenden Tin Oo. US-Präsident George W. Bush erklärte am Montag, er sei tief besorgt über das Schicksal Suu Kyis. Die NLD hatte unter ihrer Führung die Wahlen zu einer Verfassunggebenden Nationalversammlung im Jahr 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, wurde aber von der Militärdiktatur an der Regierungsübernahme gehindert. Suu Kyi ist als Tochter des ermordeten Unabhängigkeitsführers und Nationalhelden General Aung San überaus populär. Die Parteizentrale der NLD und Büros im ganzen Land wurden geschlossen. Sie sollten erst wieder geöffnet werden, "wenn das gegenwärtige Problem gelöst ist", erklärte Armeesprecher Than Tun.

Innerhalb des regierenden "Staatsrats für Frieden und Entwicklung" (SPDC), wie sich die Junta offiziell nennt, soll es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Umgangs mit der Demokratiebewegung gekommen sein. Eine starke Junta-Fraktion unter dem als Hardliner geltenden stellvertretenden Staatschef General Maung Aye soll sich allen Liberalisierungstendenzen energisch widersetzen. Maung Aye werden besonders enge Kontakte zur chinesischen Führung in Peking nachgesagt.

Verheerende Menschenrechtssituation

Der UNO-Sondergesandte Razali Ismail wollte trotz der Spannungen am Freitag nach Burma reisen. Die Machthaber hatten ihm seit Jänner vier Mal die Einreise verweigert. Die US-Regierung hatte erklärt, sie betrachte die Menschenrechtslage in Burma (Myanmar) als "außerordentlich schlimm" und erwäge zusätzliche Sanktionen gegen das Militärregime. Die UNO-Menschenrechtskommission in Genf hatte Burma durch Konsens wegen systematischer schwerer Menschenrechtsverletzungen und Zwangsarbeit verurteilt. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat dem Regime Folter bei der Unterdrückung der Demokratiebewegung und Versklavung von ethnischen Minderheiten, sowie Missbrauch von Kindersoldaten vorgeworfen. Die Europäische Union hatte Rangun im Februar zur Freilassung der politischen Gefangenen und zur Aufnahme eines "echten" Dialogs mit Suu Kyi aufgefordert. (APA/dpa/AFP)

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    Thailändischer Polizist vor der Botschaft von Myanmar (Burma)in Bankgok.

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    Proteste vor der Botschaft von Burma in Seoul

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