Lichtgestalten, Witzepräsidenten, Seelenqualen

Ansichtssache7. Oktober 2011, 17:43
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"Was verbinden Sie mit dem Begriff österreichischer Film?": Fünf Filmemacher und eine Filmemacherin, deren Arbeiten in der sechsten Staffel vertreten sind, haben wir zu diesem Thema um Auskunft gebeten

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foto: nikolaus geyrhalter filmproduktion gmbh

Es ist ja auch so schon nicht immer einfach, Österreicher zu sein. Zum einen, weil die Eigendefinition über eine Nation sowieso schon längst ein Anachronismus sein sollte, und noch viel mehr, weil in diesem Land tatsächlich oft Dinge schieflaufen, mit denen ich mich einfach nicht identifizieren will und auch nicht identifiziert werden möchte.

Aber das hilft alles nichts, wenn man als österreichischer Regisseur internationale Festivals bereist. Kaum betritt man das Festivalbüro, wird man vom Individuum zum Österreicher, zum Kulturvermittler, der dazu befragt wird, warum gerade das kleine Land Österreich einen so hohen Output an erfolgreichen Filmen aufzuweisen hat. Der Ruf vom starken österreichischen Film eilt uns voraus, durchaus zu Recht.

Nur glaube ich nicht, dass uns das Filmemachen besonders im Blut liegt, ich glaube auch nicht an eine speziellere Begabung oder eine herausragendere Ausbildung als bei unseren Nachbarn.

Der Grund dafür, dass unsere Filme tatsächlich von überdurchschnittlicher Qualität sind und auch so wahrgenommen werden, ist viel trivialer: Wir haben im internationalen Vergleich eine immer noch solide finanzielle Ausstattung und gelegentlich auch Kommissionen, die sich vor mutigen Projekten nicht fürchten. Natürlich muss man über Budgets und Rahmenbedingungen streiten, aber das grundsätzliche Commitment ist vorhanden, Film in all seinen Formen zu finanzieren und sich damit eine beachtliche Visitenkarte zu schaffen.

Das ist üblicherweise auch meine Antwort auf die Fragen nach der Ursache des österreichischen Filmwunders. Hier wird gesät, hier wird geerntet. Es ist so einfach und für viele doch so unvorstellbar. Ein Staat muss sich überlegen, wo er investiert, und dass Österreich sich seine Kulturbudgets - zumindest noch - leistet, versöhnt mich immer wieder mit diesem Land. Nikolaus Geyrhalter

(DER STANDARD/SPEZIAL - Printausgabe, 8./9. Oktober 2011)

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