Schocksingles auf der Suche nach einem neuen Bärli

6. Oktober 2011, 17:15
9 Postings

Andrea Händler thematisiert in ihrem neuen Programm "Naturtrüb" die Lebenskrise

Wien - Die Geschichte, die Andrea Händler in ihrem neuen Programm Naturtrüb vorspielt, ist ziemlich konstruiert: Sie quatscht bei der Bushaltestelle die Wartenden gnadenlos nieder.

Das Kabarettspielen habe sie aufgegeben, sagt diese unscheinbar hergerichtete Frau. Das Publikum sei mit ihr mitgewachsen, und dieses Spiegelbild habe ihr vor Augen geführt, dass es nun an der Zeit sei, sich auf das Alter - sie sehe sich schon im Ein-Stern-Pflegeheim mit ungeschultem Personal - vorzubereiten bzw. Strategien zu entwickeln, wie man dem Tod noch einige Zeit entrinnen könne.

Sie verschenkt daher die letzten Autogrammkarten, ernährt sich gesund (auch mit Apfelsaft naturtrüb könne man es lustig haben) und schont ihren Rücken: Händler schiebt einen Einkaufstrolley auf die Bühne der Kulisse, der mit allerlei Extras (Komfortfederung, Sitzgelegenheit und so weiter) aufgemotzt ist. Auch mit dem Rauchen hat sie, die Königin, deren Zepter die Zigarette war, aufgehört. Die Entscheidung fiel am Flughafen: Sie stellte fest, sie könne sich nicht in einen "Suchtopfercontainer" aus Glas stellen. Dafür greift sie nun zu Fächern: Der Wechsel macht sich eben mit permanenten Hitzewallungen aufdringlich bemerkbar.

In einer solchen Situation gibt es keine emanzipatorischen Anliegen mehr: Frau ist froh, ein Bärli an ihrer Seite zu haben. Dieses wird kontrolliert ernährt. Es soll nicht zu schlank sein, um ihr abspenstig gemacht werden zu können, aber auch nicht zu unansehnlich.

Der Bus kommt natürlich nicht, zu Fuß gehen will die Händler aber auch nicht. Und so nimmt sie das Publikum mit zu sich nach Hause, wo ein Finanzbeamter eine Steuerschuld feststellt, die Händler wieder auf die Bühne zwingt. Wie gesagt: ziemlich konstruiert.

Der Abend plätschert dennoch recht vergnüglich dahin (Regie: Eva Billisich). Man hört Händler eben gerne zu. Am besten geglückt sind die Passagen, die Angelika Hager beigesteuert hat. Etwa wenn der Jugendlichkeitswahn der ungewollten "Schocksingles" angeprangert wird, die dort weitermachen wollen, wo sie 1995 aufgehört haben. Da muss man herzhaft lachen.  (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2011)

Nächste Termine in der Kulisse: 8. u. 11.-15. Oktober

  • Andrea Händler in  Naturtrüb
    foto: schöndorfer

    Andrea Händler in  Naturtrüb

Share if you care.