ÖBB-Chef will Kraftwerke behalten

6. Oktober 2011, 11:29
54 Postings

Generaldirektor Christian Kern stemmt sich gegen die Vorschläge der ÖVP. Sein Hauptargument: "Wir brauchen billigen Strom für unsere Züge"

Wien - Ablehnend zu einem Verkauf der Kraftwerke der Österreichischen Bundesbahnen, den man in der ÖVP will, äußert sich ÖBB-Generaldirektor Christian Kern. Das Unternehmen benötige günstigen Strom für die Züge, argumentiert Kern im "WirtschaftsBlatt". Derzeit wird ein Drittel des Bedarfs selbst erzeugt. Fällt das weg, müsste man den Strom zur Gänze zukaufen. Statt zu deinvestieren denkt Kern an weitere Investitionen im Energiebereich - auch an die Erweiterung bestehender Kraftwerke.

"Die Kraftwerke sind ein Mittel zum Zweck - wir sind ein Mobilitätsunternehmen, das günstigen Strom für Züge braucht", sagt Kern. Den Vorschlag, die laut ÖVP mit 500 Mio. Euro bewerteten Kraftwerke zu veräußern, kommentiert der Bahn-Chef nicht und verweist auf den Eigentümer Bund als Entscheidungsträger. Bei Überlegungen zur ÖBB-Sanierung werden auch immer wieder die eigenen Kraftwerke ins Spiel gebracht: Acht Wasserkraftwerke zur Bahnstrom-Erzeugung (16,7 Hertz) und zwei Wasserkraftwerke für den netzüblichen 50-Hertz-Strom sowie zahlreiche Umspann- und Umformwerke stünden zur Disposition.

Investitionen im Energiebereich

Durch einen Verkauf der Kraftwerke befürchtet Kern eine langfristige Schwächung der Kapitaldecke der Bahn. 2,3 Gigawattstunden (GWh) Strom und 400 GWh Wärme verbrauchen die ÖBB jährlich - 33 Prozent davon aus Eigenerzeugung. Interessenten stünden dem Bericht zufolge Schlange, inländische wie ausländische Versorger. Da der Bahnstrom-Teil erst in 50-Hertz-Strom umgewandelt werden muss, müsste ein Käufer aber entweder zehn Prozent Umwandlungsverlust in Kauf nehmen oder den Strom exklusiv an die Bahn verkaufen, heißt es.

Vielmehr denkt Kern an weitere Investitionen im Energiebereich. Fünf Projekte in Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Kärnten seien dabei in der Pipeline. Dafür seien 440 Mio. Euro bis 2019 vorgesehen - 87 Mio. Euro für die Erweiterung bestehender Kraftwerke. (APA)

Share if you care.