Pubbesitzerin bringt Pay-TV-Welt ins Wanken

4. Oktober 2011, 18:05
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EU-Gericht erlaubt Fremdsehen von Abo-Sendern im Ausland - "Künstliche" Aufpreise für nationale Exklusivrechte gegen EU-Recht - Österreichische Liga entspannt

Luxemburg/Wien - Georg Pangl wirkt sehr entspannt. "Für die smarte, kleine österreichische Bundesliga wird die Entscheidung nicht extrem spürbar werden", sagt der Ligavorstand im Gespräch mit dem Standard. Für größere Ligen könnte freilich in die Millionen gehen, was der EU-Gerichtshof Dienstag entschied.

Karen Murphy, Pubbesitzerin in Portsmouth, hat sich gegen Rupert Murdoch durchgesetzt: Sie darf in Hampshire weiterhin mit der Decoderkarte eines griechischen TV-Anbieters Spiele der britischen Premier League zeigen, obwohl Rupert Murdochs Bezahlsender BSkyB die Rechte für Großbritannien exklusiv gekauft hat. Das entschied der Gerichtshof der Europäischen Union - mit einem kleinen, aber womöglich nicht unwesentlichen Haken.

Der Gerichtshof lehnt nationale Exklusivrechte für einen Sender ab: Ein - üblicher - Aufpreis dafür "kann zu künstlichen Preisunterschieden zwischen abgeschotteten nationalen Märkten führen", und: "Eine derartige Marktabschottung und ein solcher künstlicher Preisunterschied" seien mit dem EU-Vertrag und dem Binnenmarkt "nicht vereinbar". Exklusive Lizenzen verstießen auch gegen EU-Wettbewerbsrecht.

Kein Urheberrecht

Die britische Fußballliga hat kein Urheberrecht an den Spielen, bestimmt das EU-Gericht: Diese Sportereignisse seien keine "Werke", "keine eigenen geistigen Schöpfungen eines Urhebers". So könne sich die Liga nicht auf das Urheberrecht der Union berufen.

Hier wartet der kleine Haken nicht nur für Pubbesitzerin Murphy: die Hymne der Premiere League, die Auftakt-Videosequenz oder auch Video-Zusammenschnitte sind für das EU-Gericht sehr wohl "Werke". Will Murphy auch sie zeigen, braucht sie die Zustimmung der Urheber.

Internationale Rechte der österreichischen Bundesliga zählen nicht zu den begehrtesten. Sky und ORF bringen der Liga im Inland 17 bis 18 Millionen im Jahr.

Bei der deutschen Bundesliga machen die Auslandsrechte rund 25 Millionen Euro aus - gegen 420 für die Inlandsrechte. Der deutsche Sportvermarkter Hartmut Zastrow rät vor allem Fifa, Uefa und Champions League, sich "warum anzuziehen". Er rechnet da mit mehr europaweiten statt nationalen Vergaben. Die Gebührensender haben dafür den gemeinsamen Rechteeinkäufer EBU. Andere Branchenkenner erwarten geringere Preise für Sportrechte.

BSkyB und Sky äußerten sich zunächst nicht zum Thema. (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 5.10.2011)

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    Cheers: Pub-Besitzerin Karen Murphy triumphiert über Rupert Murdoch.

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