Revolution ist nicht mehr nur das Vorrecht der Jugend

6. Oktober 2011, 15:08
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Während die Alten mit dem Demokratiebegehren für Reformen kämpfen, bleiben die Jungen scheinbar still. Wieso eigentlich?

Seit einiger Zeit macht die Politikverdrossenheit der Bevölkerung das offizielle Österreich nervös. Ausgerechnet Polit-Pensionisten wie Erhard Busek und Johannes Voggenhuber setzen sich mit ihrem Demokratiebegehren für die Rettung des Landes ein. Waren es aber nicht immer die Jungen, die Reformen und Veränderungen durch Protest und Eigeninitiative durchgesetzt haben? Wo sind die Studenten, der Parteinachwuchs und alle anderen unter 30 jetzt? Immerhin geht es vor allem um ihre eigene Zukunft. Es scheint, als hätten die Alten endgültig die Kontrolle über Österreich übernommen, indem sie der Jugend nun sogar eine ihrer letzten Bastionen streitig machen: Den Aufstand gegen das Establishment.

Jugendlichkeit in der Regierung

Dabei hat ein ganz Junger sogar erst im April sein eigenes Staatssekretariat übernommen. Sebastian Kurz ist gerade einmal 25 und kümmert sich auf allerhöchster Ebene um die österreichische Integrationspolitik. Nicht wirklich üblich in diesem Alter. Aber manchmal kann schon der Eindruck entstehen, das geistige Alter nehme gleichzeitig mit der Verantwortung zu. Ein Sprecher des Staatssekretärs versichert, dass Sebastian Kurz natürlich um den Frust und die Anliegen der jungen Österreicher wisse. Vor allem in seiner Tätigkeit als JVP-Vorsitzender könne er beobachten, dass sich aber nicht nur Pensionisten für die Sicherung der Demokratie im Land einsetzen. „Da wird halt keine Pressekonferenz im Landtmann einberufen, sondern über andere Wege kommuniziert. Da werden andere Kanäle genutzt", heißt es aus dem Büro von Kurz.

Engagement auch ohne Partei möglich

Allerdings muss man ja nicht unbedingt in der Regierung sitzen, um sich politisch zu engagieren. Romy Grasgruber, Studentin und Initiatorin der Lichterkette gegen rechte Hetze im Jahr 2009, will sich nicht an eine Partei binden. „Man kann immer etwas bewegen", ist sie trotzdem überzeugt. Grasgruber kann auch nicht glauben, dass die Politikverdrossenheit immer nur auf Desinteresse zurückzuführen ist. Es gebe immer wieder genug junge und engagierte Leute in Österreich: Die Lichterkette wurde zum Beispiel von 11.000 Personen unterstützt. Eher erkennt sie bei vielen eine gewisse Politikerverdrossenheit. Auch fehlt es oft an der medialen Aufmerksamkeit und die Kriminalisierung einiger politischen Aktivisten (derStandard.at berichtete) würde das ihre dazu beitragen, vielen jungen Leuten den Mut zu nehmen, sich selbst zu engagieren.

Bundesweite Initiative denkbar

Auch Max Lercher von der SPÖ will nicht ständig hören, dass junge Menschen kein Interesse an der Politik haben. Er ist 23, Abgeordneter zum steirischen Landtag und beweist damit das Gegenteil. Das Demokratiebegehren sieht er mit gemischten Gefühlen. Einerseits begrüßt er manche der darin vorkommenden Punkte. Andererseits kann er nur schwer verstehen, warum einige der Initiatoren nicht schon während ihrer aktiven Karriere versucht haben, diese auch umzusetzen. Oft wurden da noch ganz andere Standpunkte vertreten. Dass von Seiten des Demokratiebegehrens auf viele junge Menschen zugegangen worden wäre, wie immer wieder versichert wird, kann er nicht bestätigen. Um aber dem wachsenden Missvertrauen gegenüber der Politik entgegenzuwirken, wäre er der Gründung einer österreichweiten Initiative gegenüber nicht abgeneigt: „Wir haben zwar hier im Landtag schon genug zu tun, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass man sich bundesweit zusammentut, um etwas zu bewirken. Auch über Parteigrenzen hinaus."

ÖH: "Engagement wird zu wenig gesehen"

Mit der ÖH habe niemand vom Demokratiebegehren Kontakt aufgenommen, erzählt deren stellvertretender Vorsitzender Martin Schott von den unabhängigen Fachschaftslisten Österreich (FLÖ). Obwohl man sich darüber durchaus gefreut hätte. "Wir müssen uns das erst genauer anschauen, begrüßen aber grundsätzlich derartige Initiativen." Schott ist auch nicht der Meinung, die jungen Österreicher würden sich zu wenig engagieren. Ihnen wird schlicht und einfach nicht die gleiche Aufmerksamkeit entgegengebracht wie zum Beispiel den prominenten Personen aus dem Umfeld des Demokratiebegehrens. Die ÖH sei selbst immer darum bemüht, auf die Studierenden zuzugehen und deren Interesse für Politik zu wecken und zu unterstützen. Erreichen will man das durch den persönlichen Kontakt an den Hochschulen.

ÖCV glaubt an Generationenscan

Unterdessen legt der Verband der österreichischen katholischen Hochschülerschaften seine Hoffnungen in die Hände der aktuellen Regierung und setzt dabei auf den von Parteifreund Kurz initiierten Generationenscan. Beim Österreichischen Cartellverband (ÖCV) ist man der Meinung, es sei "an der Zeit, dass auf kommende Generationen durch die heutige Gesetzgebung mehr Rücksicht genommen wird." Im Generationen-Scan, der in Kürze eingeführt werden soll, sieht man das richtige Mittel dazu. Damit könnten "Defizite schon vor der Beschlussfassung aufgezeigt werden". ÖCV-Präsident Mario Kuss sagt dazu, der Scan solle Vertreter der Jugend vor allem stärker zum Handeln ermutigen, da er langfristige Probleme aufzeigen könne. (Max Daublebsky, derStandard.at, 5.10.2011)

MeinOE Demokratiebegehren, ist eine Initiative die es sich zum Ziel gesetzt hat, gegen die steigende Politikverdrossenheit der Österreicher anzukämpfen. Im Wege eines Volksbegehrens werden ein neues Wahlrecht, mehr direkte Demokratie, eine Renaissance des Parlaments, ein neuer Föderalismus, ein neues Parteiengesetz sowie ein entschlossenes Vorgehen gegen Korruption gefordert.

 

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    foto: derstandard/corn

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