Strache gewährt Ex-VP-Mandatar Asyl

3. Oktober 2011, 20:57
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Wolfgang Aigner, wilder Mandatar im Rathaus, findet bei der FP ein neues "infrastrukturelles Zuhause", späterer Parteieintritt nicht ausgeschlossen - Bisher ging er weder mit Blauen noch mit Schwarzen zimperlich um

Wien - Der Obmann der Wiener VP hieß noch Bernhard Görg, als Wolfgang Aigner erstmals als lautstarker parteiinterner Kritiker auffiel. "Die Leute müssen spüren, dass wir gut sind. Wir sollten nicht nur über andere schimpfen, sondern sollten unsere Verdienste in den Vordergrund stellen", forderte er am Landesparteitag im Jahr 2000, damals in seiner Funktion als Bezirksparteiobmann der Brigittenau.

Seit 2004 ist Aigner Gemeinderat, seit wenigen Wochen allerdings nicht mehr für die VP, sondern "wild". Und er wird, wie am Montag bekannt wurde, bei der FP andocken. Deren Klubobmann Johann Gudenus will Aigner ein "infrastrukturelles Zuhause geben", sprich: Er bekommt einen Schreibtisch in den blauen Rathausräumlichkeiten und wird an den FP-Klubsitzungen teilnehmen. Über das Angebot musste der wilde Abgeordnete nicht lange nachdenken. "Ich sage Danke, dass diese Möglichkeit besteht."
Aigner fühlte sich überfahren

Der 43-jährige Jurist wurde dem VP-Klub abtrünnig, nachdem Mitte September Parteichefin Christine Marek ihren Rückzug angekündigt hatte und ein eilig einberufener Parteivorstand Fritz Aichinger als neuen Klubobmann vorschlug. Aigner beschwerte sich damals, er habe von Aichingers Nominierung aus den Medien erfahren - bei der fraglichen Sitzung war er freilich nicht anwesend.

VP-Mitglied wollte Aigner ursprünglich bleiben, nachdem ein Parteigericht gedräut hatte, legte er aber Ende vergangener Woche seine Parteimitgliedschaft und sämtliche Funktionen zurück. Nicht ohne harsche Kritik an der Volkspartei zu äußern: Diese pflege eine "Schwamm-drüber-Philosophie", Parteimitglieder würden "permanent überfahren".

Seine "politische Beziehung" mit der VP habe er "als Katholik zwar lebenslang angelegt", es habe sich nun aber herausgestellt, dass es doch nur eine "Lebensabschnittspartnerschaft" gewesen sei, sagte Aigner am Montag. Der Wiener FP-Obmann Heinz-Christian Strache schätzt Aigner als "wertkonservativen Menschen mit einem exzellenten Charakter", daher habe man ihm nun "Asyl" im blauen Klub gewährt. Und auch inhaltlich habe es stets einige Schnittmengen gegeben.

Aber der Ton war nicht immer so freundlich wie jetzt. So unterstützten zwar FP und VP Anrainer, die sich in der Brigittenauer Dammstraße gegen die Errichtung eines islamischen Kulturzentrums wehrten. Aigner unterstellte Strache in einer Presseaussendung 2007 aber "keinerlei Interesse an konkreten Anliegen der Bewohner", sondern lediglich Interesse an einer "primitiven Eskalation, wie sie für die FPÖ typisch ist".

Auch im Umgang mit den eigenen Parteifreunden war Aigner in der Vergangenheit nicht zimperlich. Bei einer Bezirksvertretungssitzung im Vorfeld der Gemeinderatswahl vergangenen Herbst soll Aigner die damalige VP-Abgeordnete Sirvan Ekici eine "faule Sau" und "Scheiß-Türkin" genannt haben, berichtete ein VPler. Aigner bestritt dies stets.

FP-Klubobmann Gudenus nannte seinen neuen Mitstreiter am Montag einen "glänzenden Rhetoriker, der seine Meinung aktiv vertritt". Trotz all des Lobes will Aigner nicht Mitglied der Freiheitlichen werden - oder zumindest nicht gleich: "Das ist nicht auszuschließen, aber es gibt da keinen Automatismus." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2011)

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    Wolfgang Aigner nimmt künftig an FPÖ-Sitzungen teil.

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