Geglückter Befreiungsschlag

27. September 2011, 17:54
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18. Oktober: Wiedereröffnung des Jüdischen Museums - Das Museum hat durch die Umbaumaßnahmen gewonnen

Wien - Eigentlich hätte das Jüdische Museum der Stadt Wien, seit Mitte Jänner geschlossen, am 30. Juni mit der Schau Im Bauch der Kuratoren wiedereröffnet werden sollen. Doch das Vorhaben stellte sich als zu ehrgeizig heraus: Hologramme gingen bei den Sanierungsarbeiten in Serie zu Bruch, die langjährige Chefkuratorin verließ das Haus, und Danielle Spera, die frisch bestallte Direktorin, stand plötzlich ohne neue Dauerausstellung da. Das Palais Eskeles wird sich daher erst am 18. Oktober wieder der Öffentlichkeit präsentieren - mit der Ausstellung Bigger than Life. 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung.

Die Kosten dürften um einiges gestiegen sein. Im Jänner hieß es, dass die Wien Holding und Stadt 2,5 Millionen Euro in die Funktionssanierung samt neuer Dauerausstellung investieren würden. Bei der Baustellenbegehung am Dienstag sprach Spera von 2,6 Millionen; für die Dauerausstellung brauche man noch zusätzliches Geld (etwa 1,5 Millionen).

Doch das Museum hat durch die Umbaumaßnahmen entschieden gewonnen. Bereits die Eingangssituation ist viel luftiger. Denn man betritt das Palais wieder durch das Hauptportal. Und man steigt nicht gleich hinab in ein Wirrwarr düsterer Gänge: Spera ließ später zugemauerte Torbögen öffnen. Zu ebener Erde liegt links die weiß möblierte Buchhandlung, rechts das künftige Kaffeehaus.

Mit dem Tag der Wiedereröffnung bespielt man das gesamte Haus. Das Schaudepot wurde erweitert, die Objekte werden, so Spera, kontextualisiert. In den Prozess, eine Dauerausstellung zu entwickeln, bezieht man den Besucher ein: In einer Schau, die ein Jahr lang laufen soll, stellt man sieben grundlegende Fragen, was ein jüdisches Museum leisten soll.

Und die große Hollywood-Ausstellung wartet u. a. mit einer Neuerwerbung auf: dem Baseball-Schläger des von Eli Roth gespielten Bear Jew aus Tarantinos Inglourious Basterds. Als "fiktive jüdische Angriffswaffe" ist er für Werner Hanak-Lettner, den neuen Chefkurator, ein Symbol für eine neue Herangehensweise Hollywoods an die Shoa. (trenk, DER STANDARD/Printausgabe 28.9.2011)

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    Danielle Spera im sanierten Jüdischen Museum.

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