Windtec-Spion in Klagenfurt verurteilt

23. September 2011, 14:03
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Know-how an chinesische Konkurrenz verkauft - Drei Jahre teilbedingt, muss 200.000 Euro an Firma zahlen

Klagenfurt - Ein 38 Jahre alter Diplomingenieur und ehemaliger leitender Angestellter des Windradentwicklers AMSC Windtec in Kärnten ist am Freitag von einem Schöffensenat am Landesgericht Klagenfurt zu einer Haftstrafe von drei Jahren, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt worden. Weiters muss der gebürtige Serbe 200.000 Euro an Windtec bezahlen. Er nahm das Urteil an, Staatsanwalt Thomas Liensberger gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der 38-jährige Angeklagte in der Spionageaffäre um den Windradentwickler AMSC Windtec hatte für die Übersendung geheimer und adaptierter Programme an den chinesischen Konkurrenten Sinovel 15.000 Euro erhalten. Auf seinem Notebook fanden Datenexperten bereits unterschriebene Arbeitsverträge: Bis 2017 sollte der Mann 1,7 Mio. US-Dollar bei einer Sinovel-Tochterfirma verdienen. Der Gesamtschaden soll sich für AMSC laut dem Privatbeteiligtenvertreter auf 250 Mio. US-Dollar belaufen.

"Was ich getan habe war der größte Fehler meines Lebens. Mir tut das unglaublich leid", sagte der Angeklagte. Laut seinem Anwalt sei der gebürtige Serbe "frustriert" gewesen, weil er Windtec-intern versetzt werden sollte. "Sinovel erkannte in meinem Mandanten das schwächste Glied einer Kette. So ist er 'gefangen' worden", argumentierte Verteidiger Gunter Huainigg. "Welchen Schaden er anrichtet, war ihm überhaupt nicht bewusst", behauptete der Anwalt. Im März 2011 kündigte der Techniker schließlich bei Windtec. Er behielt aber seinen Computer-Account. Ende April kam es dann zur Übergabe der Steuerungssoftware für Windräder samt passender Quellcodes zur Software-Änderung an seine chinesischen Geschäftspartner.

Windtec-Geschäftsführer Martin Fischer erklärte vor Gericht, Windtec Österreich habe wegen der Spionage und des dadurch entstandenen Ausfalls von Sinovel als Kunden 96 Mio. Euro abschreiben und 40 Mitarbeiter in Klagenfurt kündigen müssen. Die 7,5 Mio. Euro, die Windtec vom Angeklagten fordert, errechnen sich laut Fischer aus der Programmierarbeit von 15 Mitarbeitern im Zeitraum von fünf Jahren. "Die Software, die der Ex-Angestellte weitergegeben hat, entsprechen dem Herz einer Windkraftanlage", sagte Fischer.

"Wir haben im Juni unsere Software in Sinovel-Anlagen in China gefunden, ohne dass wir diese verkauft hätten", sagte eine Windtec-Programmiererin als Zeugin. "Der Schriftzug Windtec war bereits durch Sinovelwind ersetzt."

Staatsanwalt Thomas Liensberger forderte in seinem Plädoyer eine generalpräventive Strafe. "Der Angeklagte hat Geschäftsgeheimnisse entgeltlich weitergegeben und so nicht nur einen Schaden für Windtec, sondern für die gesamte österreichische Volkswirtschaft verursacht."

Verteidiger Huainigg sagte vor dem Urteil, dass sein Mandant "durch die Offenlegung von Details" bereits zur teilweisen Schadenswiedergutmachung beigetragen habe. "Die Forderung von 7,5 Mio. Euro ist aber nicht nachvollziehbar. Er bot eine Zahlung von 66.000 Euro an, was Richter Oliver Kriz allerdings auch nicht beeindruckte. Er legte die Höhe der Schadenersatzzahlung mit 200.000 Euro fest. (APA)

 

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