Biosprit: "Emissionen falsch berechnet"

22. September 2011, 12:13
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Laut Wissenschaftern ist die Umweltbelastung durch Biokraftstoffe "erheblich höher"

Wien - Laut einem Dokument des Wissenschaftlichen Beirats der Europäischen Umweltagentur (EEA) sind die Emissionseinsparungen durch Biokraftstoffe falsch berechnet worden. Demnach weisen fast alle europäischen Berechnungssysteme massive Fehler auf. "Die meisten Bioenergieträger haben erheblich größere Treibhausgas-Emissionen als ihnen aufgrund der Berechnungssysteme zugerechnet werden" , sagte Helmut Haberl, Mitglied des Beirats und Professor am Institut für Soziale Ökologie in Wien.

Die bisherigen Berechnungen basieren laut dem Beirat auf der Annahme, dass Bioenergie weitestgehend "klimaneutral" ist. Man ging davon aus, dass die Verbrennung alternativer Kraftstoffe nur so viel Kohlendioxid emittiert, wie durch die Pflanzen zuvor aufgenommen wurde. Der Beirat argumentiert, dass durch Umwandlung von Ökosystemen in Ackerflächen riesige Kohlenstoffsenken vernichtet würden und dass die EU-Berechnungen beim Kohlendioxid-Reduktionspotenzial diese nicht berücksichtigen.

Mehr Fläche notwendig

Außerdem werde darauf vergessen, dass Land, auf dem Biokraftstoff angepflanzt wird, in der Regel keine Pflanzen für andere Nutzung, wie etwa Nahrungsmittelerzeugung, produziert. Daher sind für die Bestellung von Biotreibstoff zusätzliche Anbauflächen notwendig. "Die aktuellen EU-Regeln berücksichtigen daher die Folgen von Landnutzungsänderungen, die durch den Umstieg auf Energiepflanzenproduktion entstehen, nur unzureichend" , kritisierte Haberl.

Nach Meinung der Wissenschafter könnten die Folgen eines massiven Umstiegs von Fossilenergie zu Bioenergie "immens" sein und zu einem weiteren Anstieg der Treibhausgas-Emissionen - und damit zur stärkeren globalen Erwärmung - führen. "Man kann am Beispiel Griechenland sehen, was passiert, wenn die Rechensysteme nicht stimmen - das Land befindet sich in einer massiven Wirtschaftskrise" , sagte Haber. Der Beirat verlangt daher eine rasche Änderung der Berechnungssysteme und eine wesentliche Änderung europäischer Bioenergiepolitik.

Im Zuge der E10-Diskussion in Deutschland forderte der Bundesverband Pflanzenöle (BVP) kürzlich den Einsatz reiner Pflanzenölkraftstoffe für die Land- und Forstwirtschaft. Auf drei Prozent der deutschen Ackerflächen könne der gesamte Kraftstoffbedarf der Land- und Forstwirte ohne Verdrängungswettbewerb zum Nahrungsmittelmarkt produziert werden, erklärte BVP-Vorstand Thomas Kaiser. (APA, frei, DER STANDARD Printausgaeb, 22.9.2011)

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