Trotz leicht steigender Akademikerquote fällt Österreich zurück

13. September 2011, 11:21
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19 Prozent Hochschulabsolventen in Österreich - OECD-Durchschnitt liegt bei 30 Prozent - Bildungsausgaben insgesamt stark gesunken

Wien - Österreich wird trotz einer steigenden Zahl von Hochschulabschlüssen im internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Zu diesem Schluss kommt die am Dienstag veröffentlichte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2011" (Education at a Glance), die erstmals langfristige Trends zum Erwerb von Abschlüssen ausweist. Während es generell in OECD-Staaten einen "dynamischeren Ausbau der höheren Bildung gegeben hat", herrscht in Österreich im Bereich der Spitzenqualifikation "noch Nachholbedarf", so OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher.

19 Prozent Hochschulabsolventen

Derzeit liegt der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei gerade einmal 19 Prozent (OECD-Schnitt 30 Prozent). Hinter Österreich liegen damit nur die Türkei (13 Prozent), Portugal, Italien (je 15), die Slowakei, Tschechien und Mexiko (je 16). An der Spitze befinden sich Kanada (50 Prozent), Israel (45 Prozent) und Japan (44). 1997 lag die Akademikerquote im OECD-Schnitt bei 20 Prozent, in Österreich bei elf Prozent.

"Nicht ausreichend aufgeholt"

Österreich hat bei der Zahl der Hochschulabschlüsse zwar aufgeholt, ausreichen wird das aber nicht, um mit anderen OECD-Ländern mitzuhalten, so Schleicher. Es sei "eine Kurve zu positiver Veränderung" erkennbar, setzen sich die aktuellen Abschlussquoten der 25- bis 34-Jährigen jedoch in diesem Maße fort, werde Österreich "noch weiter hinter andere OECD-Länder zurückfallen".

Quote steigt

Junge Erwachsene schließen heute eher ein Hochschulstudium ab als früher, dementsprechend höher ist die Akademikerquote im OECD-Schnitt unter den 25- bis 34-Jährigen (37 Prozent) als unter den 55- bis 64-Jährigen, die bald aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden (22 Prozent). In Österreich ist diese Spanne mit 19 bzw. 16 Prozent wesentlich geringer, d.h. dass auch in Zukunft nicht deutlich mehr Akademiker nachrücken. Die OECD zählt Österreich gemeinsam u.a. mit Deutschland und Brasilien zu den Ländern, wo diese "nachteilige Situation besonders deutlich" werde.

Dabei ist seit 1995 durchaus eine Steigerung der Abschlüsse zu verzeichnen: Damals schlossen in Österreich erst zehn Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium ab (Erstabschluss), der vergleichbare OECD-Wert lag bei 20 Prozent. Bis 2009 hat sich die Quote in Österreich auf 29 Prozent fast verdreifacht, OECD-weit hat sie sich auf 38 Prozent erhöht. Laut der Studie verzeichnete Österreich damit neben der Schweiz, der Slowakei, Tschechien und der Türkei den stärksten Anstieg bei diesen Hochschulabschlüssen im engeren Sinn.

Fachhochschulen führen zu mehr Abschlüssen

"Seit Ende der 90er Jahre ist in Österreich viel in Bewegung gekommen", sagt Schleicher. So erfolgte Mitte der 1990er Jahre die Gründung von Fachhochschulen sowie vor rund einem Jahrzehnt die schrittweise Umstellung der Studien auf das neue Studien-System mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Nicht nur die Zahl der Abschlüsse, auch jene der Studienanfänger hat sich seit 1995 vermehrfacht. Damals nahmen lediglich 27 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium auf, 2009 waren es mit 54 Prozent doppelt so viele. Die Quote liegt jedoch weiterhin unter dem OECD-Schnitt von 59 Prozent (OECD 1995: 37 Prozent), "langfristige Bewegung" fehlt laut Schleicher.

Bildungsausgaben liegen unter dem Durchschnitt

Die Ausgaben für alle Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen mit 5,4 Prozent unter dem OECD-Schnitt (5,9 Prozent). Darüber hinaus gehört Österreich zu jenen Ländern, in denen zwischen 1995 und 2008 der Anstieg der Bildungsausgaben klar hinter dem Anstieg des BIP zurückgeblieben ist. Am höchsten sind die Bildungsausgaben (öffentliche und private Aufwendungen zusammen) demnach in Chile, Dänemark, Island, Israel, Südkorea, Norwegen und den USA mit jeweils über sieben Prozent des BIP. Während Österreich bei den aus öffentlichen Mitteln finanzierten Bildungsausgaben mit 5,2 Prozent des BIP sogar knapp über dem OECD-Schnitt (5,0 Prozent) liegt, kommt es bei den privaten Aufwendungen nur auf 0,2 Prozent - weit unter dem OECD-Schnitt von 0,9 Prozent.

Andere Länder investieren mehr

Besonders bedenklich: Seit 1995 sind die Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP in Österreich verhältnismäßig stark gesunken - von 6,2 Prozent auf zunächst 5,5 Prozent im Jahr 2000 und schließlich auf 5,4 Prozent im Jahr 2008. Die österreichische Entwicklung läuft damit entgegen dem internationalen Trend. "In mehr als drei Viertel der Länder mit verfügbaren Daten für 2000 und 2008 war der Ausgabenanstieg für alle Bildungsbereiche zusammen größer als das Wachstum des BIP", heißt es in der Studie.

Kosten pro Schüler/Student sehr hoch

Rechnet man dagegen pro Schüler bzw. Student, zählt Österreich zu den Ländern mit den höchsten jährlichen Ausgaben für die Bildungseinrichtungen. Diese Aufwendungen liegen in der Schweiz mit 14.977 Dollar pro Jahr (kaufkraftbereinigt) am höchsten, Österreich liegt mit 11.852 Dollar an vierter Stelle und deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.831 Dollar.

Jeder fünfte 15- bis 19-Jährige nicht in Ausbildung

In Österreich befindet sich jeder fünfte 15- bis 19-Jährige nicht mehr in Ausbildung. Die Bildungsbeteiligung sinkt dabei sukzessive in den letzten Jahren der Sekundarstufe II, die neben der AHS-Oberstufe und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen auch die Lehre einschließt. Auch der Anteil der noch in Ausbildung befindlichen 20- bis 29-Jährigen liegt unter dem OECD-Schnitt.

Während die Bildungsbeteiligung der 15- bis 19-Jährigen in 25 von 31 Ländern über 80 Prozent (OECD-Schnitt: 82,1 Prozent) liegt, befinden sich in Österreich nur 79,4 Prozent dieser Altersgruppe in Österreich in Ausbildung. Deutlicher ist der Abstand bei den Buben, von denen nur 78,8 Prozent zwischen 15 und 19 Jahren in Ausbildung sind (Mädchen: 80 Prozent).

Bildung im Kindergarten über dem Durchschnitt

Positiv ist hingegen bei der Bildungsbeteiligung der Drei- bis Vierjährigen zu vermerken. Hatte die OECD in ihrer Studie 2008 noch kritisiert, dass Österreich bei der vorschulischen Bildung - also dem Besuch eines Kindergartens - nachhinkt, liegt der Anteil mit 72,3 Prozent mittlerweile über dem OECD-Schnitt von 70,1 Prozent. Später, also vom letzten Kindergartenjahr bis zum Ende der AHS-Unterstufe bzw. der Hauptschule, liegt die Bildungsbeteiligung der 5- bis 14-Jährigen in Österreich mit 98,4 Prozent knapp unter jener des OECD-Durchschnitts (98,6). (APA)

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    Hochschulbildung im Ländervergleich

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    Bildungsausgaben im Ländervergleich

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