Entlassung per E-Mail wegen Euro-Rettung

7. September 2011, 17:34
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In Portugal verlieren 24 Krankenpfleger ihren Job - wegen "nationaler Verpflichtung"

Granada - Bei 24 portugiesischen Krankenpflegern, die in acht Gesundheitszentren in und um Lissabon angestellt waren, langte vergangene Woche eine unschöne E-Mail ein. Ihre Entlassung war darin mit dem Satz begründet: "Um die Nachhaltigkeit der Staatsausgaben, wie im Memorandum mit der Troika (IWF, EU und EZB, Anm.) festgehalten, zu gewährleisten, sei dieser Schritt eine nationale Verpflichtung, der man nachkommen müsse".

Im Gegenzug für den Erhalt von 78 Milliarden Euro Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsschirm verpflichtete sich die Regierung, die Kosten des Gesundheitssystems bis Ende 2012 um elf Prozent (rund 200 Mio. Euro) zu senken.

Als "absolut unverständlich" kritisierte Maria Augusta Sousa, Präsidentin der Kammer der Pflegebediensteten, die Rechtfertigung. "Wer dort spart, wo Notstand herrscht, macht einen Fehler, den die Bevölkerung deutlich spüren wird." Zuletzt rügte die Weltgesundheitsorganisation Portugal, dass es "an Krankenpflegern fehle". Sollte auf 1200 Einwohner ein Pfleger kommen, liege hier das Verhältnis bei 1 zu 1836. Zudem habe das Einfrieren der Neuanstellungen in der Gesundheitsbehörde ARS, bei steigendem Bedarf, der Auslagerung Tür und Tor geöffnet, beklagt Pedro Frias von der Gewerkschaft der Pflegebediensteten: "Auch die 24 Entlassenen waren ausgelagert in einem extrem prekären Beschäftigungsverhältnis angestellt." Das Subunternehmen Medicsearch hatte diese für ARS unter Vertrag. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2011)

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    Portugal spart bei Pflegern.

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