Römerzeitliche Ausgrabung wird aus Geldmangel zugeschüttet

9. September 2011, 17:30
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Museum voller Originale mutiert zu "begehbarer Vitrine" voller Repliken - Joanneum sieht noch eine Möglichkeit

Graz - Die römerzeitliche Ausgrabung in Flavia Solva in Wagna bei Leibnitz wird zugeschüttet, das kleine, bisher in der Sommersaison geöffnete Museumsgebäude wird in eine "begehbare Vitrine" umgewandelt. Begründet wird diese Maßnahme vom Universalmuseum Joanneum (UMJ) durch politisch vorgegebene Einsparungen, wie ein Sprecher am Mittwoch einen Bericht der "Kleinen Zeitung" bestätigte.

Hintergrund

Durch die Streichung eines Dienstpostens wird das auf Stelzen über dem Ausgrabungsfeld errichtete Glasgebäude nicht mehr öffentlich zugänglich sein, zudem werden die ab Mai 2012 präsentierten Objekte nicht mehr Originale, sondern Repliken sein. Die Originale - Steine, Münzen, Kunst- und Gebrauchsgegenstände - kommen ins Depot der Generalsammlung und werden vorderhand nicht in die ständige Schausammlung des Archäologiemuseums in Schloss Eggenberg integriert, wie der Leiter der Absteilung Archäologie und Münzkabinett am UMJ, Karl Peitler, erläuterte.

Abgesehen vom kleinen Museum, das bisher von Mai bis Ende September rund 2.500 Besucher zählte, wird aus Kostengründen auch die mehrere hundert Quadratmeter große Ausgrabung aus den 1980er Jahren geschlossen. Aus konservatorischer Sicht wären längst sichernde Maßnahmen notwendig, für die man - notwendig wären rund 400.000 Euro - kein Geld hat. Die erforschte und dokumentierte Ausgrabung wird zugeschüttet und begrünt. Die Umrisse sollen aber mittels Kies sichtbar gemacht werden, sodass "Besucher künftig über den Grundmauern einer römischen Stadt spazieren gehen können", so Peitler. Na das ist doch auch was ...

Die Vorgeschichte war stolzer als das Ende

Das Municipium Flavia Solva ist die bedeutendste Römersiedlung in der Steiermark, der um das Jahr 70 unserer Zeitrechnung herum unter Kaiser Vespasian das Stadtrecht verliehen wurde und die im dritten und vierten Jahrhundert ein Zentrum im Südosten der Provinz Noricum darstellte. 1990 wurde das Freilichtmuseum eröffnet, 2004 kam anlässlich der Landesausstellung das kleine Museum hinzu.

Kritik an den Plänen kam am Mittwoch von der FPÖ: Kultursprecher Gunter Hadwiger will im Landtag nach dem Motto "Restaurieren statt zuschütten" einen Antrag zur "Rettung des historischen Erbes" stellen.

Hoffnungsschimmer?

Das Universalmuseum Joanneum (UMJ) machte indessen darauf aufmerksam, dass die Restaurierung mit der vertraglich zugesagten Beteiligung der Gemeinde Wagna erfolgen könnte. Dies wurde am Freitagnachmittag seitens der Geschäftsführung des UMJ mitgeteilt. "Das Universalmuseum Joanneum ist im Interesse des Publikums natürlich bestrebt, den Standort Flavia Solva bestmöglich zugänglich zu machen", hieß es. Zurzeit sei es aber wegen erheblicher Kosten (und wegen der politisch vorgegebenen Einsparungen, Anm.) nicht möglich, die optimalen konservatorischen Maßnahmen zu treffen.

"Sollte die Gemeinde Wagna hingegen den finanziellen Verpflichtungen nachkommen, die sie mit einem Vertrag anlässlich der Eröffnung des Museumsgebäudes in Flavia Solva eingegangen ist, wäre ein Sockelbetrag für die Restaurierung annähernd im Rahmen der halben Kosten gegeben", so die UMJ-Geschäftsführung. In diesem Fall werde man sich bemühen, weitere Mittel für die Sanierungsmaßnahmen in einer Bausteinaktion aufzubringen. Zuletzt war von rund 400.00 Euro an Kosten die Rede.(APA/red)

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