Gedroht wird nicht überall

27. Mai 2003, 17:31
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Streiks oft schwer organisierbar

Die Streikaufrufe werden nicht in allen Branchen gleich viel Gehör finden - was weniger mit der Betroffenheit als mit der Organisierbarkeit der Betroffenen zusammenhängt. Besonders wenig bereit zum Arbeitskampf sind "kleine Angestellte" und Arbeiter in Kleinbetrieben - viele in dieser Gruppe sind keine Gewerkschaftsmitglieder. Und in Kleinbetrieben gibt es keine Betriebsräte. Womit Bereiche wie Gastgewerbe und Teile des Handels kaum bestreikt werden können.

Anders im öffentlichen Verkehr, wo Streiks auch stärker spürbar sind als in Kleinbetrieben. "Intensivere, längere und härtere Maßnahmen" als am 6. Mai kündigte etwa der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner an. Der öffentliche Verkehr werde auf alle Fälle über Mittag hinaus stillstehen.

In Oberösterreich werden "Hunderte" Streiks angekündigt - wobei diese vom "Überraschungsmoment" leben sollen.

Die ÖVP-dominierte Gewerkschaft Öffentlicher Dienst wird sich wie alle anderen am Streik beteiligen. Falls aber nicht wirklich ein flächendeckender Streik erfolgt, werden sich die AHS-Lehrer wohl doch nicht mehr anschließen. "Es war schon für den letzten Montag nicht mehr leicht, die Kollegen bei der Stange zu halten", zieht der interimistische Chef der Lehrergewerkschaft, Azevedo Weißmann, Bilanz über den letzten Streiktag an den AHS. So haben knapp die Hälfte der niederösterreichischen AHS ganz normal unterrichtet. Dass es - vor allem in Wien - Druck von der Lehrerbasis auf die Standesvertreter für einen mehrtägigen bis unbefristeten Streik gibt, beeindruckt Weißmann nicht: "Das ist eine kleine Zelle, die da schreit. Die Mehrheit will nicht mehr streiken."

Aber wie geht's jetzt weiter? Die Stundenreduktionen sollen ja laut Ministerin Elisabeth Gehrer nicht zurückgenommen werden. Er führe derzeit Gespräche über "die Zukunft der AHS", sagt Weißmann zum STANDARD. Denn die AHS- Oberstufe werde im Vergleich zur BHS jetzt noch unattraktiver: "Es traut sich ja niemand mehr, schulautonome Schwerpunkte zu setzen."

Laut einer Gallup-Umfrage in News haben 47 Prozent der Österreicher Verständnis für neue Streiks gegen die Pensionsreform. (mon, cs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 298.5.2003)

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    montage: derstandard.at
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