Ein Headquarter für Schwarze

31. August 2011, 18:06
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Agentur von Strassers Kabinettchef werkt für Innenressort

Beratung und PR spielen im Telekom-Skandal Hauptrollen - Geschäftszweige, in die sich Expolitiker (wie Innenminister Ernst Strasser oder Karl-Heinz Grasser) und deren Kabinettschefs und Adlaten gern zurückziehen.

In der schwarzen Reichshälfte beliebt ist die Headquarter Werbeagentur GmbH in Innsbruck und Wien. Ihre Geschäftsführer sind Andreas Filthaut und Christoph Ulmer (seit Ende 2009). Ulmer war bis 2004 Kabinettchef von Strasser, seit Mai 2006 gehört ihm die C.F.U. Unternehmensberatungs und Beteiligungs GmbH, über die Ulmer seit Jänner 2010 mit 40 Prozent an Headquarter beteiligt ist.

Ihre Expertise stellt die Agentur vor allem Tiroler ÖVP-Politikern und den Niederösterreichern unter Erwin Pröll zur Verfügung; verantwortlich war sie auch für den nicht rasend erfolgreichen Wahlkampf für die ÖVP-Wien-Chefin Christine Marek. In Tirol hatten die Berater durch ihren Exchef den Heimvorteil: in Person von Martin Malaun, heute Hauptgeschäftsführer der Tiroler ÖVP.

Und, Zufall oder nicht: Auch das Innenministerium hält Headquarter gut beschäftigt. "Seit 2000 arbeiten wir immer wieder für das Innenministerium, auch derzeit läuft eine Kampagne, die wir betreuen", bestätigt Filthaut auf Anfrage. Aber: "Wir hatten nie einen fixen Alleinbetreuungsauftrag."

Laut parlamentarischer Anfragebeantwortung von Ex-Innenministerin Maria Fekter von Juli 2010 zahlt sich die schwarze Vernetzung auch so aus. 2008 vergab das Ministerium Aufträge von fast 90.000 Euro an Headquarter, 81.600 Euro allein für das Projekt "Integrationsplattform". 2009 waren es fast 170.000 Euro für "Beratungsleistungen" plus 42.000 Euro für Projekte wie die "Kinderpolizei". 2010 gab es 41.000 Euro.

Auch künftig will Headquarter mit dem Ministerium, dem auch das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung untersteht, punkten. Derzeit läuft die Ausschreibung für die gesamte "werbliche Kommunikation des Ministeriums", so Filthaut. Headquarter überlege, daran teil zu nehmen. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)

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