Russlands Plan B für Hebung des Arktis-Bodenschatzes

31. August 2011, 17:42
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Gemeinsam mit Rosneft wird er US-Energieriese ExxonMobil die Energievorräte in der Arktis anzapfen

Der US-Energieriese ExxonMobil geht als lachender Dritter aus dem Streit zwischen BP und einer Gruppe von Oligarchen hervor. Gemeinsam mit Rosneft werden die Amerikaner die Energievorräte in der Arktis anzapfen.

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Nur drei Monate nach dem spektakulären Scheitern des Arktis-Deals zwischen dem russischen Staatskonzern Rosneft und British Petroleum (BP) hat Russland einen Ersatz gefunden. Der US-Energieriese ExxonMobil wird gemeinsam mit Rosneft die Öl- und Gasvorräte in der Arktis anzapfen, kündigte der russische Premierminister Wladimir Putin in Sotschi an.

Zunächst werden die beiden Energieriesen 3,2 Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) in die Ölförderung in der arktischen Karasee investieren. Insgesamt kündigte Putin Investitionen von 500 Milliarden an, wobei er offen ließ, ob er nun US-Dollar oder Rubel meinte. In der Karasee wird ein Ölvorkommen von rund 36 Milliarden Barrel vermutet.

In der gesamten Arktis ist jedoch noch ein viel größerer Schatz zu heben. Laut einer Schätzung der US-Regierung lagern dort 13 Prozent der weltweiten Ölvorkommen und 30 Prozent der Erdgasreserven. Mit diesen Vorkommen könnte die gesamte Welt drei Jahre lang mit Energie versorgt werden.

Auf den Schatz im Eismeer erhebt jedoch nicht nur Russland einen Anspruch. Auch die übrigen Anrainerstaaten, die USA, Kanada, Island, Dänemark und Norwegen, wollen ihren Anteil der Energiereserven. Die Uno-Seerechtskonvention sieht vor, dass Staaten nur auf Meeresgrundgebiete im Umkreis von 200 Seemeilen, insofern diese mit dem Festland verbunden sind, ein Anrecht haben.

Kein Deal des Jahrhunderts

Russland beansprucht eine Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometer - rund zwei Drittel der Arktis - für sich. Russische Wissenschafter versuchen derzeit, den Beweis zu erbringen, dass die ozeanischen Rücken Lomonossow und Mendelejew mit dem russischen Kontinentalschelf verbunden sind. Der russische Vizepremier Sergej Iwanow kündigte an, dass Russland im nächsten Jahr einen Antrag auf die Erweiterung der Grenzen seines arktischen Festlandsockels bei der Uno-Kommission einreichen wird.

Da die Erschließung der arktischen Bodenschätze jedoch hoher finanzieller und technologischer Ressourcen bedarf, wurde ein internationaler Partner gesucht. Der diesen Winter geschlossene Pakt zwischen Rosneft und BP scheiterte jedoch am Widerstand einer russischen Oligarchengruppe.

Während das Abkommen mit BP noch als "Deal des Jahrhunderts" bezeichnet wurde, ist die strategische Partnerschaft zwischen Rosneft und Exxon ein abgespeckter Plan B der russischen Regierung. So wird es keinen Aktientausch zwischen den Unternehmen geben. Dafür soll ein Joint Venture gegründet werden, an dem Rosneft 66,7 Prozent der Anteile und Exxon den Rest halten soll. Der größte russische Ölkonzern soll zudem Zugang zu Exxon-Vorkommen im Golf von Mexiko und Texas bekommen.

Politisch ist der Deal zwischen Rosneft und Exxon jedenfalls bemerkenswert. Politologen sehen darin ein Zeichen dafür, dass der von US-Präsident Barack Obama 2009 eingeläutete Neustart mit Russland erste Früchte trägt.

Indes wird der Aktionärsstreit beim russisch-britischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP mit aller Härte weitergeführt. Einen Tag nachdem der Rosneft-Exxon-Deal bekannt wurde, durchsuchten Ermittler das Moskauer Büro von BP, um Dokumente für den im Oktober startenden Schiedsprozess sicherzustellen.

Das russische Eigentümerkonsortium AAR, das an TNK-BP zur Hälfte beteiligt ist, hat den britischen Miteigentümern vorgeworfen, beim Vertrag mit Rosneft übergangen worden zu sein. Michail Fridman, einer der Aktionäre, verlangt eine Entschädigung von 87 Milliarden Rubel (rund zwei Milliarden Euro) von BP. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2011)

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