Mathias Reichhold, der Hendlbauer der Telekom-Affäre

31. August 2011, 15:14
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Ex-FPÖ-Chef kassierte von Hochegger 72.000 Euro

Wien - Mit Mathias Reichhold (54) hat der nächste Minister aus dem Kabinett Schüssel seinen Auftritt in der Telekom-Tragödie. Der ehemalige FPÖ-Chef und Infrastrukturminister soll laut einem "News"-Bericht nach seinem Ausscheiden aus der Regierung über die Agentur von Peter Hochegger 72.000 Euro für Telekom-Beratung kassiert haben. Dass Reichhold in unangenehme Schlagzeilen gerät, ist freilich so neu nicht.

So legte der gebürtige Klagenfurter im Jahr 2002 nach einer Angina nach nur 40 Tagen sein Amt als FPÖ-Chef zurück, womit die Freiheitlichen damals mit Herbert Haupt in einen aussichtslosen Wahlkampf stürmen mussten. Auch in seinem Leben danach in der Privatwirtschaft machte der Kärntner Schlagzeilen. Durchaus nicht unumstritten zog er in den Vorstand der Asfinag ein, aus dem er dann vom roten Infrastrukturminister Werner Faymann nach lediglich einem Jahr mit einer Abfindung von mehreren hunderttausend Euro wieder hinauskomplimentiert wurde.

Das zweite "t"

Die Basisstation der Reichholdschen Karriere war wie bei den meisten Freiheitlichen Jörg Haider - seinem engen Vertrauten, für den er sich sogar ein zweites "t" im Mathias zugelegt hätte, wenn er dies gewollt hätte, wie Reichhold einst zu Protokoll gab. Das wünschte sich Haider nicht, dafür Flexibilität, was das Job-Hopping anging.

Haider holte den ehemaligen Landwirtschaftskammer-Funktionär und Gemeindepolitiker 1988 an der Seite von Heide Schmidt ins Generalsekretariat der FPÖ. Dort war Reichhold bis 1991 tätig, ehe er heim nach Kärnten eilte, um drei Jahre lang als selbst ernannter "Platzhalter" den Landeshauptmann-Stellvertreter zu geben. Dann ging es wieder via Europaparlament bis 1998 in den Nationalrat, ehe er wieder zu seinem alten Kärntner Job zurück durfte.

2001 folgte der überraschende Rückzug aus der Politik, im Jahr darauf war Reichhold, das stets freundliche Gesicht Haiders bespotteter "Buberlpartie" schon wieder da und zwar als Infrastrukturminister unter Schwarz-Blau und damit auch mit Telekom-Agenden befasst. Nach dem Knittelfelder Putsch wollte Reichhold - solidarisch mit der abdankenden Parteichefin Susanne Riess-Passer - wieder zurücktreten, besann sich aber eines Besseren und wurde gar zum FPÖ-Chef gewählt - freilich nur für 40 Tage, ehe er sich grippegeschwächt wieder zurückzog.

Das war es im Wesentlichen mit der Politik für den verheirateten Vater von zwei Söhnen. Im nächsten Lebensabschnitt dockte Reichhold bei Magna als Berater in Sachen Raumfahrt an, 2006 schaffte er dann noch in den letzten Zügen von Schwarz-Orange den Sprung in den Asfinag-Vorstand. Der Infrastrukturminister damals hieß übrigens Hubert Gorbach, zuletzt selbst in die Affäre Telekom geraten.

Nachdem Faymann ihn ausgewechselt hatte, wurde es ruhig um den Hühnerzüchter aus Leidenschaft. Im Jahr 2009 wurde er von einem Kalb verletzt, sonst hörte man von ihm erst wieder im Sommer vergangenen Jahres, als er Aufsichtsratsvorsitzender der Klagenfurter Stadtwerke wurde. Zudem verdingte er sich als Berater des (freiheitlichen) Klagenfurter Bürgermeisters. Beim Regionalliga-Fußballclub Austria Klagenfurt machte er den Aufsichtsratschef, mittlerweile ist der Verein bei laufendem Spielbetrieb vor dem Konkursrichter angetreten.

Auch für ein deutsch-österreichisches Energieunternehmen soll Reichhold arbeiten. In dem Zusammenhang stand diesen Frühling auch eine Paraguay-Reise mit dem Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Ansonsten kümmert er sich um seine Landwirtschaft. Neben der von ihm seit Jahren betriebenen Bio-Hühnerzucht widmete sich Reichhold in der jüngeren Vergangenheit schwerpunktmäßig dem Kärntner Brillenschaf. (APA)

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