Ein Prinz gegen den Staatsbankrott

30. August 2011, 11:48
86 Postings

Der Schuldensumpf Italiens treibt skurrile Blüten: Ein Dorf will sich zum Fürstentum erklären und druckt bereits eigene Banknoten

Mit einem 47-Milliarden-Euro-Sparprogramm will Italien dem Schuldensumpf entkommen. Die Regierung will Ausgaben für Behörden drücken und neue Steuern einführen. Italien wäre nicht Italien, wenn sich damit nicht auch die Proteste regen würden.

Besonders schlagkräftig erweist sich dabei einmal mehr der sprichwörtliche "kleine Mann", denn 34 von 110 Provinzregierungen sollen abgeschafft werden. Einfaches Kalkül aus Rom: Gemeinden unter 1.000 Einwohnern sollen mit anderen fusioniert und dadurch 50.000 Stellen eingestampft werden. Für Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist es allerdings noch zu früh, sich die Hände zu reiben. Die erwarteten Einsparungen von neun Milliarden Euro in  der lokalen Verwaltung sollen nicht ganz widerstandslos in die Staatskasse fließen.

"Gallisches Dorf"

Denn der Einfallsreichtum so mancher Gemeinde kennt schier keine Grenzen. So wollen mehrere Bürgermeister ehrenamtlich arbeiten, eine Gemeinde wirbt bereits um die Aufnahme von libyschen Kriegs-Flüchtlingen, um ihre Einwohnerzahl nach oben zu pushen. Luca Sellari, Bürgermeister des beschaulichen Städtchens Filletino - etwa 100 Kilometer von Rom entfernt - hat noch höhere Pläne. Um der geplanten Verschmelzung mit dem Nachbarort Trevy einen Strich durch die Rechnung zu machen, will er seine 598-Einwohner-Gemeinde als von Italien unabhängig erklären. Und als ob das nicht genug wäre, das "gallische Dorf" gleich zum Fürstentum ausrufen. "Jeder wäre doch gerne einmal Prinz in seinem Leben", ließ er prompt verlauten. An Selbstbewusstsein mangelt es dem streitbaren Stadtoberhaupt jedenfalls nicht. So ließ er bereits eine neue Währung drucken: den Fiorito. Und weil er sich selbst bereits als kommenden Monarchen sieht, ziert auch sein schmuckes Konterfei die Banknote.

Der Fiorito ist aber mehr als ein Geldschein. Übersetzt bedeutet sein Name "erblüht" - "so wie unsere Stadt unter ihrer neuen Führung", wagt Sellari einen Blick in die Zukunft. Sobald der Fiorito als legales Zahlungsmittel eingesetzt wird, soll er zu einem Wechselkurs von rund 2:1 zum Euro gehandelt werden. Das Wappen für die Neo-Monarchie ist bereits allgegenwärtig: Es prangt auf T-Shirts, diese verkaufen sich nach Angaben Sellaris "wie warme Semmeln", oder als Etiketten auf Likör-Flaschen. Bezahlen können Filletinos Einwohner die royal eingefärbten Gegenstände im Übrigen bereits mit dem Fiorito. Aus Rom gab es bislang keine Stellungnahme - ewig wird sie aber nicht auf sich warten lassen. (ch, derStandard.at, 30.8.2011)

  • Der Bürgermeister und das liebe Geld.
    www.principatodifilettino.com

    Der Bürgermeister und das liebe Geld.

  • Artikelbild
    www.principatodifilettino.com
  • Artikelbild
    www.principatodifilettino.com
Share if you care.