Showdown für die dritte Piste in Schwechat

29. August 2011, 18:37
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Acht Tage lang erklären Experten des Landes Niederösterreich, warum die dritte Piste am Flughafen Schwechat umweltverträglich ist

Schwechat - Alle fünf Minuten, wenn ein Flugzeug tief über Schwechat hinwegzieht, gehen die Sprechchöre im Lärm unter. Erst wenn die Maschine sich entfernt, kann man die Botschaft der Demonstranten verstehen: "Wir brauchen keine dritte Piste - Ruhe, es reicht", skandieren sie.

10 Jahre haben die Mitglieder der Bürgerinitiative "Liesing gegen Fluglärm" protestiert, in der Schwechater Mehrzweckhalle Multiversum könnte ihr Kampf nun enden. Seit Montag läuft hier die "öffentliche Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung" für die dritte Piste am Flughafen Schwechat, wie die Veranstaltung offiziell heißt. "Showdown", nennen es viele Beteiligte.

100 Starts und Landungen pro Stunde soll die Erweiterung zu Spitzenzeiten möglich machen, die bestehenden Landebahnen erlauben derzeit 68. Ohne die Piste, fürchten die Betreiber, kann Wien kein Drehkreuz in Europa bleiben, zumal auch die Konkurrenz expandiert. Frankfurt plant die vierte Piste, München hat gerade den ersten positiven Bescheid für die dritte ausgestellt. Die Zeit drängt im Multiversum.

Acht Tage lang werden Experten des Landes Niederösterreich Fragen von Bürgern beantworten. In ihrem Gutachten haben sie die Umweltverträglichkeit des Projekts geprüft, von A wie Abfallchemie bis W wie Wildlife-Hazard. Auch L wie Lärmschutz haben sie geprüft. Ihr Resümee: Die Belastung ist tragbar.

Vor ihnen, im Parkett, sitzen jene, die das anders sehen: Männer und Frauen meist um die 60, mit bunten Plakaten, Flugzetteln und dem Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Viele bezweifeln, dass die Verhandlung viel ändern wird. "Das Ganze ist ja eher eine Präsentation", sagt Manfred Schweighart von der Bürgerinitiative Gegenschall. "Bei einer Verhandlung bringen sich zwei Seiten ein."

Gegenschall ist Mitglied des Dialogforums Flughafen, wo Bürgerinitiativen, Bürgermeister der betroffenen Gemeinden und Vertreter des Flughafens miteinander verhandeln. Dort wurde ausgemacht, dass die Lärmbelästigung pro Stunde bei durchschnittlich 54 Dezibel liegen muss und nicht bei 62, wie das Gesetz erlaubt, oder dass pro Jahr nachts maximal 3500 Starts und Landungen stattfinden dürfen. Schweighart ist nun bei der Verhandlung, um sicherzustellen, dass der Behördenbescheid nicht hinter die Abmachungen zurückfällt.

Die Demonstranten aus Liesing sind nicht dabei beim Dialogforum - weil es "sinnlos" sei, wie sie meinen. Sie haben ein eigenes Gutachten erstellt, 103 Seiten, verfasst von Medizinern, Chemikern und einer "Hochenergiephysikerin", in dem erklärt wird, wie gefährlich eine dritte Piste wäre.

"Wir können nicht so aggressiv auftreten", sagt Schweighart. "Aber dafür haben wir auch etwas erreicht." (Tobias Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 30.8.2011)

  • Etwa 100 Gegner der dritten Piste in Schwechat kamen am Montag zum Beginn der öffentlichen Verhandlung zur UVP.
    foto: der standard/fischer

    Etwa 100 Gegner der dritten Piste in Schwechat kamen am Montag zum Beginn der öffentlichen Verhandlung zur UVP.

  • Flughafen Wien: Die geplante dritte Piste
    grafik: der standard

    Flughafen Wien: Die geplante dritte Piste

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