Das Surfer-Leben ohne Wind und Wellen

28. August 2011, 19:08
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Stand Up Paddling gilt als Trendsportart. Dabei ist das Paddeln auf Brettern so alt wie das Wellenreit­en selbst. Ab 3. September werden in Weiden am Neusiedler See erstmals die besten Paddler ermittelt

Weiden - Das Wasser liegt spiegelglatt in der flirrenden Hitze. Kein Lüftchen kräuselt die Oberfläche. Das Einzige, was sich bewegt, ist ein verschwitzter Eisverkäufer, der am Strand halb aufgetaute Twinni-Stangerln verkauft. Was ein paradiesischer Zustand für Badegäste sein mag, ist ein Albtraum für jeden Surfer. Denn zum Wellenreiten braucht er Wellen. Windsurfer kommen ohne Wind nicht aus. Und beim Kitesurfen wird ein vom Wind gebauschtes Kite benötigt.

Ein wind- und wellenloser Zustand macht Wassersportler freilich nicht nur depressiv, sondern auch kreativ. Und so wird etwa am Neusiedler See seit drei Jahren auch bei Windstille gesurft, dass es eine Freude ist. Stand Up Paddeln (SUP) heißt die Trendsportart, die zwar aus Hawaii stammt und für die Fortbewegung auf dem Meer und in Wellen erfunden wurde. Ebenso gut lässt sich damit aber auch auf den Gewässern im Binnenland Österreich vorwärts kommen.

"Natürlich hat Stand Up Paddling am See nichts mit der ursprünglichen Form des Surfens zu tun", sagt Mario Lach, der Präsident des im Vorjahr gegründeten heimischen Verbandes (Asupa). "Aber man muss sein Leben als Surfer nicht mehr nur nach Wind oder Wellen richten." Beim SUP stehen die Surfer auf einem überdimensionierten Surfbrett, bei der Fortbewegung hilft ein Stechpaddel. Der Sport boomt, er ist einfach zu erlernen und kann auf nahezu jedem Gewässer ausgeübt werden. Während viele neue Trendsportarten auch Extremsportarten sind, geht Stand Up Paddling einen anderen Weg. "Wer's extrem mag, wird keine Freude haben", sagt Lach, der das Naturerlebnis preist und den Spaß, den man während des Workouts auf dem Brett hat. "Der ist größer als im Fitnessstudio."

Lach betreibt im Seepark im burgenländischen Weiden eines der acht heimischen Stand Up Paddel Center der Surfermarke Naish. Auch am Attersee, am Zeller See, am Faakersee oder auf der Mur im südsteirischen Gosdorf wird fleißig gepaddelt. Im Sommer hat der 30-jährige Kärntner die junge Sportart promotet. Bei acht Tourstopps testeten mehr als 2000 Interessierte die Bretter - viele auch im Wiener Gänsehäufel. Lach: "Da waren sechsjährige Buben dabei, genauso wie Jugendliche, 50-jährige Angestellte und ein 70-jähriger Pensionist."

So was von retro

Eigentlich ist Stand Up Paddling ja so was von retro und so alt wie das Wellenreiten selbst. Schon die Polynesier, mit dem Ozean von alters her auf Du und Du, sind auf Brettern nicht nur Wellen geritten, sondern haben auch darauf stehend gefischt. Auf Hawaii kam man an Paddleboards ebenso wenig vorbei, wenn man die Verwandten auf der nächsten Insel besuchen wollte.

Richtig bekannt wurde das Stehen auf Brettern mit dem "Beachboy Surfing" auf Hawaii. Der Surfboom hatte die Inseln im Pazifik in den 1960er-Jahren erfasst. Um die Heerscharen an Surfschülern nicht aus den Augen zu verlieren, standen die Lehrer auf und nützten Paddel zur schnellen Fortbewegung. Die Entwicklung der Shortboards, die in den Wellen wendiger waren, drängten die langen Bretter aber zurück.

Erst vor elf Jahren haben Legenden wie Windsurfer Robby Naish und Big-Wave-Surfer Laird Hamilton das Paddel samt großem Brett wiederentdeckt und weiterentwickelt. Und während die Profis das Hilfsmittel nutzen, um auch Monsterwellen abzureiten, wird SUP in ruhigen Gewässern als Ausgleichs- und Freizeitsport betrieben.

Am Wochenende steht in Weiden am Neusiedler See freilich der Sport im Vordergrund. Bei den ersten österreichischen Meisterschaften wird am Samstag eine Sprintdistanz (1 km) samt Nightrace absolviert, am Sonntag wird der "Marathon" (8 km) gegeben. Interessierte können das Brett mit Paddel testen. Am Neusiedler See kann man nämlich auch, sagt Lach, "auf eine Runde Stand Up Paddling gehen. Dann holt man sich einen Spritzer in der Beachbar. Und paddelt wieder an den Strand zurück."(David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 29. August 2011)

  • Am Neusiedler See wird auf den im Durchschnitt 3,5 m langen Brettern 
bereits gepaddelt, was das Zeug hält. Sogar aufblasbare Boards sind 
schon erhältlich. Die lassen sich  natürlich viel leichter im Auto  
verstauen.
    foto: asupa/kölbl

    Am Neusiedler See wird auf den im Durchschnitt 3,5 m langen Brettern bereits gepaddelt, was das Zeug hält. Sogar aufblasbare Boards sind schon erhältlich. Die lassen sich natürlich viel leichter im Auto verstauen.

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