Verkauf von Telekom-Tochter geht im Kreis

26. August 2011, 17:17
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Mass Response: Verhandlungen mit Marx Media Vienna führen zu alten Bekannten

Wien - Die Suche der Telekom Austria nach einem Abnehmer für ihre Tochter Mass Response Service (MRS) geht weiter. Mass Response stellt die Technologie für Televotings bereit und ist nach dem Einstieg der Telekom nolens volens aus dem umstrittenen schlüpfrigen Call-in-TV-Geschäft ausgestiegen. Wie berichtet haben sich Verhandlungen mit der deutschen Digame, die einen Euro bezahlt hätte, zerschlagen. Diese Gesellschaft organisiert etwa die Zuschauerabstimmungen für Deutschland sucht den Superstar und ist die größte Kundin der MRS (die Verträge sind kurzfristig kündbar). Digame konnte sich mit den Vorstellungen der Verkäufer - einer Besserungsklausel, die der TA während der Laufzeit umfassende Mitspracherechte eingeräumt hätte - nicht anfreunden.

Mass Response schreibt wie berichtet Verluste, die Exchefs Herbert Dvoracek und Andreas Krenn (bis April 2010 auch Telekom-Prokurist) wurden nicht entlastet. Zudem laufen nach einer Anzeige rund um Call-in-Shows Betrugsermittlungen gegen sie. Hausdurchsuchungen bei Mass Response und Marx Media Vienna waren die Folge, die beiden Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück, und es gilt die Unschuldsvermutung. Marx Media Vienna kooperiert mit der MRS, stellte ihr Produktionseinheiten (Räume, Schnitt) zur Verfügung. 2009, noch unter TA-Prokurist Krenn, ist die Telekom mit 25,1 Prozent eingestiegen. Der Deal ist einer jener, die die ÖIAG nun prüfen könnte.

65 Prozent der im Medien-Areal Sankt Marx in Wien-Landstraße domizilierten Gesellschaft gehören der MMF Beteiligungsmanagement GmbH. Ihre (wohl treuhänderische) Eignerin ist Doris Schöberl - Anwältin mit Sitz in der Wiener Oppolzergasse 6 über dem Café Landtmann. Das prächtige Haus am Ring gehörte früher der Notenbank (OeNB), deren Immobilienreich Adolf Wala aufgebaut hatte. Der heutige Fimbag-Chef und Immobilienexperte hat einst auch Geschäfte mit dem Kasachen Rachat Alijew gemacht.

Sondieren beim Mediator

Mit ebendieser Marx Media Vienna jedenfalls führt die TA derzeit "Sondierungsgespräche", wie das ein Involvierter nennt. Freilich wolle Marx Media Vienna die Mass Response nicht selbst kaufen, sondern Geschäftsführer Bodizs und Mathias Maierhofer (TA) fungierten "als Mediatoren". Ziel sei die Zusammenstellung eines Käuferkonsortiums für die MRS. Digame und eine weitere deutsche Gesellschaft sollen Interesse haben mitzutun. Sie böten einen Euro, würden keine Verbindlichkeiten übernehmen und akzeptierten eine Besserungsklausel nur, wenn damit keine Kontrollrechte der Verkäufer verbunden wären. Dieses Konsortium, so ist aus Interessentenkreisen zu hören, würde auch Ex-Mass-Response-Gesellschafter und -Chef Dvoracek "nicht ausgrenzen", eine Idee, die der Telekom freilich nicht gefallen dürfte.

Jedenfalls schließen sich an diesem Punkt alte Kreise. Bodizcs, der für den Standard nicht zu erreichen war, und Dvoracek sind geschäftlich wie fußballerisch seit langem eng verbunden. Am Beispiel der TM-Products GmbH: Die Gesellschaft gehörte bis 2006 der HD Consulting und Communications, Herbert Dvoracek führt sie. Heute gehört TM-Products zu 51 Prozent der Digame, die restlichen 49 Prozent hält eine Gesellschaft von Bodizs - angeblich treuhänderisch für Dvoracek, was er bestreitet. TM-Products-Geschäftsführerin ist seit Juni Masha Ohlwein, Ex-TV-Chefin der Mass Response.

Was das runde Leder betrifft, schließt sich der Kreis auf der Hohen Warte. Beim dortigen Fußballclub First Vienna übernahm Dvoracek 2009 die Präsidentschaft von Wala (heute Ehrenpräsident), Bodizs ist Vizepräsident und Finanzreferent. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.8.2011)

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