Debatte um dritte Piste in Schwechat startet

29. August 2011, 09:34
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Verfahren um Umweltverträglichkeitsprüfung geht in die nächste Runde

Wien/Schwechat - Die Gegner und die Befürworter der dritten Piste auf dem Flughafen Schwechat treffen ab heute aufeinander. Im Multiversum in Schwechat startete um 9 Uhr die mündliche Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung, die für acht Tage angesetzt ist. Laut einem im Juni fertiggestellten Gutachten gilt die "Parallelpiste 11R/29L", wie die neue Start- und Landebahn korrekt heißt, als umweltverträglich.

Das seit Jahren umstrittene Bauvorhaben des Flughafens Wien ist mit einer Länge von 3680 Metern ausgelegt. Die Lage der Start- und Landebahn soll rund 2,5 Kilometer südlich parallel zur bestehenden Piste 11L/29R entstehen. Dazu müsste laut der Abteilung für Umweltrecht der niederösterreichischen Landesregierung auch die B10 auf einer Länge von knapp 7,5 Kilometern verlegt werden.

Bürgerinitiativen gegen Projekt

Das Projekt dritte Piste erstreckt sich über das Gemeindegebiet von Fischamend, Klein Neusiedl, Rauchenwarth, Schwadorf und Schwechat. Bürgerinitiativen fürchten neben dem Fluglärm auch einen Anstieg des Verkehrs auf der A4 und der S1.

Im Westen von Wien kämpfen Bewohner von Liesing wegen des zusätzlichen Fluglärms gegen den Bau der Piste. Die Stadt Wien, die in dem UVP-Verfahren Parteienstellung hat, hat sich in ihrer Stellungnahme grundsätzlich für die dritte Piste ausgesprochen - diese sei für die Wirtschaft und den Tourismus notwendig.

Allerdings wird eine bessere Verteilung der Flüge gefordert. "Die Starts über Liesing würden auf das 2,5-Fache ansteigen, das ist nicht akzeptabel", betont SP-Umweltsprecher Erich Valentin. Bürgerinitiativen kritisieren jedoch, dass die Flugrouten gar nicht Teil des UVP-Verfahrens seien. Die Planung der Routen möchte Valentin durch Auflagen im UVP-Bescheid im Sinne Wiens verbessern.

Kooperation mit Bratislava

Die Grünen halten die dritte Piste ohnehin für "ökologisch und ökonomisch" sinnlos und plädieren stattdessen für eine Kooperation mit dem Flughafen Bratislava. "Dort gibt es ein Zwei-Pisten-System mit nur einem Start pro Stunde", erläutert Grünen-Umweltsprecher Rüdiger Maresch.

Einen Bescheid erster Instanz könnte es laut Flughafen zum Jahresende geben. Die tatsächlichen Kosten ließen sich erst abschätzen, wenn ein rechtskräftiger Bescheid vorhanden und die nötigen Auflagen bekannt seien, hieß es beim Flughafen Wien stets. Laut Medienberichten soll die neue Start- und Landepiste bis zu 1,8 Milliarden Euro kosten. (red, DER STANDARD-Printausgabe, 27./28.8.2011)

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    Kein einfacher Weg zum Kompromiss in der Pistenfrage

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