Frankenkredite laut Stepic bedrohlich für CEE

25. August 2011, 19:24
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Die Euro-Schuldenkrise wirkt sich nach Ansicht des RBI-Chefs weniger aus, zudem schließt er eine Kapitalerhöhung des Konzerns nicht aus

Wien - Raiffeisen Bank International-Chef Herbert Stepic schätzt die Ansteckungsgefahr durch die Schuldenkrise in einigen Ländern der Eurozone auf die Kernmärkte der RBI in Zentral- und Osteuropa (CEE) als gering ein. "Wir sehen weniger einen Zahlungsausfall von Italien, das ist 'too big too fail', aber je länger sich der Druck auf das europäische Bankensystem fortsetzt, desto eher wird sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Das ist das Problem das Überspringen auf die Realwirtschaft, vor dem fürchten wir uns", sagte Stepic bei der Halbjahresbilanzpressekonferenz am Donnerstag in Wien. Die Ansteckungsgefahr sei auch deshalb gering, weil nur 3,3 Prozent der Exporte der Eurozone in die CEE gingen.

Osteuropa, wo die RBI 70 bis 80 Prozent ihrer Betriebserträge macht, sei kaum oder sehr wenig von den Problemen der Peripherieländer beeinflusst. Seit 2008 habe es einen massiven Abbau außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte gegeben, die meisten Länder hätten ihre Leistungsbilanzdefizite drastisch reduziert, so Stepic. Die Ansteckungseffekte seien jetzt deutlich geringer als zu Beginn 2010. Die Region bleibe aber nicht verschont, was sich zum Beispiel an den Renditeaufschlägen für Staatsanleihen und dem CDS-Niveau zeige.

Die CEE-Länder seien durch ihrer Refinanzierungsstruktur verwundbar gewesen und hätten sich jetzt sehr stark mittelfristiges Geld aufgenommen und damit ihre Verwundbarkeit reduziert. Die Inflation habe in den meisten Ländern Höchststände erreicht und schon überschritten. "Unsere Annahme ist, dass selbst bei einer Verschärfung der Krise in Europa sich die negativen Auswirkungen auf Osteuropa sehr in Grenzen halten wird. Das heißt, wir bleiben weiterhin für unser Geschäft positiv", sagte Stepic.

Es gebe aber Handelsbeziehungen der südosteuropäischen Länder zu Italien und Griechenland und es gebe das Problem des Schweizer Franken für Ungarn, Polen und Rumänien. "Das ist ein Bedrohungspotenzial". Das Gesamtvolumen der Franken-Kredite bezifferte Stepic mit 3,5 Mrd. Euro, was 4,3 Prozent des Gesamtkreditportfolios entspreche. Davon seien 85 Prozent Hypothekarkredite.

"Ein echtes Problem für den Markt und uns ist sicherlich Ungarn", so Stepic. Hier mache das Volumen rund 18 Mrd. Euro aus. In Polen und Rumänien etwa seien die Vergabebedingungen restriktiver gewesen, was zu geringeren Non-Performing-Loans (NPL) geführt habe. 

Engagement in Schuldenländern

Die RBI ist in den fünf Euro-Schuldenländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien (PIIGS) per Ende Juni 2011 mit insgesamt 3,622 Mrd. Euro engagiert. Der größte Teil davon entfällt auf Italien, wo 2,26 Mrd. Euro ausständig sind, gefolgt von Spanien mit 1,04 Mrd. Euro, teilte die RBI am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen mit.

Der größte Teil des Italien-Exposures entfällt auf Finanzinstitute (1,465 Mrd. Euro), gefolgt von italienischen Staatsanleihen (474 Mio. Euro) und Unternehmensfinanzierungen (322 Mio. Euro). Bei Spanien entfällt der größte Teil auf Finanzinstitute (934 Mio. Euro). Dagegen werden kaum (5 Mio. Euro) Staatsanleihen gehalten. Auch bei Portugal sind es nur 2 Mio. Euro. Griechische und irische Staatsanleihen hat die RBI keine mehr in ihren Büchern.

Kapitalerhöhung

Im ersten Halbjahr 2011 hat die RBI einen Nettogewinn von 615 Mio. Euro ausgewiesen. Das ist ein Zuwachs um 30,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Stepic plant für sein Institut innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Kapitalerhöhung. Zur Höhe und zum Zeitrahmen des in Aussicht gestellten weiteren Börseganges wollte Stepic heute allerdings noch keine detaillierten Angaben machen. Zeitpunkt und Ausmaß würden vielmehr vom Wirtschaftswachstum und der weiteren Entwicklung der Börsen abhängen. "Wenn positiv, dann wird die Wahrscheinlichkeit größer sein, wenn wir in ein Krisenszenario gehen, geringer", sagte Stepic bei der Halbjahresbilanzpressekonferenz am Donnerstag in Wien

Ein Teil der geplanten Kapitalerhöhung könnte der Stärkung der Finanzstruktur im Hinblick auf die schärferen Eigenkapitalvorschriften durch Basell III dienen, so Stepic weiter. Die Rückzahlung des staatlichen Partizipationskapitals bezeichnete Stepic als weitere "Teiloption". Einen Zeitplan dafür gebe es nicht.

Der Zeitrahmen sei völlig von der Marktentwicklung abhängig, betonte Stepic. Derzeit sei man diesbezüglich in einer kritischen Phase. Wenn die geplanten Maßnahmen zu einer Beruhigung der Kapitalmärkte führen, was positiv für die Wirtschaft wäre, dann werde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Börseganges höher. Wenn dies nicht der Fall ist, werde der Schritt ehere unwahrscheinlich. Man habe sich absichtlich eine relativ lange Zeitspanne gegeben. Er glaube nicht, dass das derzeitige Krisenszenario zwölf Monate dauern werde.

Einen Zahl für den Umfang der geplanten Kapitalerhöhung gebe es nicht, so Stepic. Zeitpunkt und Ausmaß hängten auch stark vom Kurs der RBI-Aktie ab. Einen "Trigger"-Kurs, ab dem ein weiterer Börsengang gemacht werde, könne er nicht angeben.

Zum Vergleich: Die RBI ist mit 32,50 Euro an die Börse gekommen. Die erste Kapitalerhöhung wurde zu einem Kurs von 104 Euro durchgeführt und brachte 1,18 Mrd. Euro. Derzeit liegt der Kurs bei rund 28 Euro. Ob dann auch der Mehrheitseigentümer, die RZB, mitziehen werde, müsse man den RZB-Vorstand fragen. Derzeit sei die RBI "ganz gut" mit Kapital ausgestattet. (APA)

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