Salzburger Autoverkehr zwingt Busse ins Schneckentempo

18. August 2011, 17:38
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Salzburger O-Bus fuhr vor 60 Jahren deutlich schneller als 2011

Salzburg - Das Fahrzeugmaterial der Salzburger Oberleitungsbusse wird immer moderner und immer komfortabler, schneller werden die O-Busse dadurch freilich nicht. Im Gegenteil: Laut einer aktuellen Studie der Salzburg AG sind die O-Busse im Stadtverkehr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 13 Stundenkilometer unterwegs. Zum Vergleich: 1950 erreichte man stolze 17,5 km/h.

Dies obwohl vor 60 Jahren nicht nur die Straßen in einem wesentlich schlechteren Zustand waren. "Die Busse hatten keine Servolenkung, die Anhängerzüge waren wie Traktoranhänger", nennt Stadtbus-Direktor Gunter Mackinger im Standard-Gespräch zwei wichtige technische Details.

Laut Mackinger ist der Kriechgang vor allem dem Autoverkehr zu verdanken: "Der Individualverkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten überproportional zugenommen. Die Beschleunigungsmaßnahmen für die Busse hinken dem Trend hinterher." Bremsend wirke dabei nicht nur der Stau an sich. Dazu kämen noch beispielsweise immer neue Ampelanlagen oder der Parkplatzsuchverkehr.

Die Verzögerungen für den öffentlichen Verkehr verursachen hohe Kosten. Nur um die Fahrpläne einhalten zu können, müssten zusätzliche Kurswagen eingesetzt und mehr Fahrzeuge angeschafft werden. Mehrkosten allein 2010: rund 1,5 Millionen Euro.

"Schleusen, Ampeln, Spuren"

Stadtbus-Chef Mackinger will von der Stadtpolitik "eine klare Bevorzugung" des öffentlichen Verkehrs. Dabei gehe es auch um neue Busspuren, aber nicht nur. Zu einer "durchgängigen Bevorzugung" - etwa auf der vielbefahrenen Nord-Süd-Verbindung - gehörten auch Schleusen und beeinflussbare Ampelsysteme.

Leicht haben es die Verfechter des öffentlichen Personennahverkehrs in Salzburg derzeit freilich nicht. Vor allem die ÖVP kampagnisiert seit Monaten gegen jeden Meter neue Busspur.

Aber auch vonseiten der Wirtschaft legt man dem O-Bus Prügel in den Weg. So veröffentlichte bis vor kurzem das - von der Stadt mitsubventionierte - Altstadtmarketing auf seiner Homepage einen Stadtplan mit Schleichwegen, wie man am besten die Schlechtwettersperre umfahren kann. Im Zuge dieser Sperre werden Touristen-Pkws auf Parkplätze am Stadtrand umgeleitet, um die Innenstadt vor dem völligen Verkehrskollaps zu bewahren.

Im Sommer 2010 ist dies allerdings oft nicht gelungen. Staubedingter Negativrekord vergangenes Jahr war eine Busverspätung von 55 Minuten. (Thomas Neuhold, DER STANDARD-Printausgabe, 19.8.2011)

  • Technisch konnte ein Bus vor rund 60 Jahren mit den Fahrzeugen von heute nicht 
mit. Trotzdem war er schneller als seine Nachfolger heute.
    foto: salzburg ag

    Technisch konnte ein Bus vor rund 60 Jahren mit den Fahrzeugen von heute nicht mit. Trotzdem war er schneller als seine Nachfolger heute.

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