Neudatierung bringt Theorie über die Mond-Entstehung durcheinander

17. August 2011, 19:08
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Mondgestein laut Isotopen-Analyse 200 Millionen Jahre jünger als gedacht - was einige Fragen aufwirft

London - Nach der verbreitetsten Theorie ist der Erdmond das Ergebnis einer Kollision zwischen der Proto-Erde und einem kleineren Protoplaneten namens Theia. Ein Teil der zerstörten Theia wurde in die Masse der Erde aufgenommen, die restlichen Trümmer formten sich im Orbit allmählich zum Mond. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren soll sich dies ereignet haben ...

... oder doch etwas später, wie eine aktuelle in "Nature" veröffentlichte Studie nahelegt, die die gängige Theorie zur Entstehung des Mondes etwas durcheinander bringt. Der Mond könnte neueren Analysen des Mondgesteins zufolge nämlich bis zu 200 Millionen Jahre jünger sein als gedacht; sein Alter würde demnach 4,36 Milliarden Jahre betragen. Die Erkenntnisse stammen von einer neuen, exakteren, Datierung von Blei- und Neodym-Isotopen eines aus dem Magma hervorgegangenen Mondgesteintyps.

Umdenken angesagt

"Das außergewöhnlich junge Alter dieses Stücks vom Mond bedeutet entweder, dass der Mond sich wesentlich später verfestigte als bisher angenommen, oder dass wir unsere gesamte Vorstellung der geochemischen Geschichte des Mondes überdenken müssen", sagte Richard Carlson von der Carnegie Institution for Science in Washington. Diese Vorstellung beinhaltet unter anderem, dass der Mond zunächst von einem "globalen" Magma-Ozean bedeckt war, ehe er abkühlte. Dafür sprechen die in der Mondkruste dominierenden Anorthosite, Gesteine, die sich durch die Kristallisation von Magma bilden - im konkreten Fall im bereits erstarrenden Ozean.

Wie die Forscher in "Nature" berichten, wirft die um 200 Millionen Jahre geänderte Datierung der Gesteinsprobe die Frage auf, welcher Teil der herkömmlichen Mondentstehungstheorie nicht zu den Fakten passt: Entweder gab es keinen lunaren Magma-Ozean und die Anorthosite haben sich auf andere Weise gebildet, etwa durch gewöhnliches Aufsteigen und Absinken von Magma. Oder die bis dato allgemein akzeptierte Annahme ist falsch, dass es sich bei ihnen tatsächlich um den ältesten Typ von Mondgestein handelt. Oder eben der Mond ist 200 Millionen Jahre jünger als gedacht.

Sollten sich die Schätzungen bestätigen, hieße dies, dass die ältesten Krusten von Erde und Mond in etwa zur gleichen Zeit entstanden. Die Datierung würde mit Altersschätzungen für Zirkone übereinstimmen, die im Westen Australiens gefunden wurden und mit etwa 4,4 Milliarden Jahren die ältesten jemals auf der Erde entdeckten Minerale sind. (red/APA)

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