Geplante dritte Piste: Wien kritisiert Verteilung von Flugbewegungen

16. August 2011, 14:50
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SP-Umweltsprecher: Anstieg in Liesing sei nicht akzeptabel - Grüne wollen auf Erweiterung komplett verzichten

Wien - Die Stadt Wien ist mit den Planungen für die dritte Piste am Flughafen Wien-Schwechat nicht wirklich zufrieden. Der Umweltsprecher der Wiener SPÖ, Erich Valentin, hat am Dienstag im Gespräch mit Journalisten betont, dass es aus Sicht der Stadt noch Kritik an den geplanten Flugrouten gebe. Er forderte Reduzierungen bei den Anflügen über den Westen und warnte davor, dass laut derzeitigem Planungsstand mehr Flugzeuge über Liesing fliegen würden.

Die Notwendigkeit einer neuen Start- und Landespiste werde nicht in Abrede gestellt, betonte Valentin. Der Flughafen sei ein Wirtschaftsmotor und wichtiger Arbeitgeber. "Die dritte Piste soll eine wirtschaftlich positive Entwicklung des Airports, aber auch eine Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Anrainer bringen", erklärte er. Laut dem SP-Politiker gibt es diesbezüglich bereits Erfolge zu vermelden.

Liesing: Weniger An-, mehr Abflüge

So sei geplant, Anflüge über die Donaustadt - etwa über den Stadtteil Essling - nicht gerade, sondern gekurvt durchzuführen. Der sogenannte Curved Approach könnte über weniger besiedelte Gebiete geführt werden. "Sehr zufrieden" ist die Stadt laut Valentin auch damit, dass es auch keine geraden Anflüge auf die neue Piste über den Südwesten der Stadt geben wird.

Jedoch soll genau dort die Anzahl der Abflüge erhöht werden, beklagte Valentin - gemeinsam mit anwesenden Vertretern von Bürgerinitiativen. So sei etwa vorgesehen, dass der Prozentanteil der Abflüge über Liesing um das 2,5-fache erhöht werde. Zudem seien zwar Entlastungen für die West-Einflugsroute geplant, aber nur sehr geringe. Dies sei nicht akzeptabel, die Reduktion müsse umfangreicher ausfallen.

"Da gehört noch einiges verbessert, die stark besiedelten Gebiete müssen im Zuge der Neuordnung der Starts und Landungen massiv entlastet werden", forderte Valentin. Er verwies auf die Ende August beginnende mündliche Verhandlung bzw. öffentliche Diskussion der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), bei der Wien seine Sicht der Dinge erneut zur Sprache bringen will.

Flugrouten nicht Teil der UVP

Jedoch: Wie Viktor Horak von der Bürgerinitiative gegen Abfluglärm in Liesing kritisierte, sind die Routen selbst gar nicht Teil der UVP. Diese wird vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung durchgeführt. Laut Erich Valentin könnten im Bescheid aber zumindest Auflagen vorgesehen sein, die dann bei der Planung der Flugrouten berücksichtigt werden müssen.

"Es ist uns schon klar, dass wir den Fluglärm nicht wegbekommen werden, aber es geht uns darum, zu minimieren", so Valentin. Die dritte Piste könnte laut Stadt durchaus dazu beitragen. "Ich befürchte nur, dass die dritte Piste noch länger nicht kommen wird", mutmaßte der SP-Politiker. Denn vom "Go" durch den Vorstand bis zur Fertigstellung würden mindestens sieben Jahre vergehen.

Grüne wollen ganz verzichten

Doch es gibt - etwa von den Grünen - auch die Forderung, überhaupt auf die dritte Piste zu verzichten. Auch nach Bildung der gemeinsamen Regierungskoalition mit der SPÖ ist die Ökopartei davon nicht abgerückt: "Wer angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen immer noch für eine dritte Piste eintritt, hat Augen und Ohren verschlossen", zeigte sich der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch, erst kürzlich in einer Aussendung überzeugt.

Ein von der niederösterreichischen Umweltbehörde eingeholtes Gutachten hat zuletzt ergeben, dass die dritte Piste als umweltverträglich gilt. Die positive Expertise bedeute jedoch nicht notwendig, dass auch der endgültige Bescheid positiv sein werde, hatte die Behörde betont. Ein solcher könnte zu Jahresbeginn 2012 vorliegen. (APA)

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    Ob der Flughafen Wien-Schwecht eine dritte Piste erhält, könnte sich bis Jahresbeginn 2012 entscheiden.

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