Schweizer werfen Gelddruckmaschine an

10. August 2011, 13:55
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Die Notenbank wirft wieder Fran­ken auf den Markt, auf ausländische Guthaben kommen eventuell hohe "Strafzinsen" zu

Bern/Zürich - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unternimmt innerhalb von einer Woche einen weiteren Versuch, den Höhenflug des Schweizer Frankens zu bremsen. Während der Kurs des Euro zum Franken in der Nacht fast auf 1:1 fiel, werfen die Währungshüter noch mehr Franken auf den Markt.

Schon vergangene Woche hat die Nationalbank angekündigt, die Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB von 30 Milliarden auf 80 Milliarden Franken zu erhöhen. Allerdings schien der Effekt der Maßnahme schnell zu verpuffen und der Franken wurde noch stärker.  Am Mittwoch hat sie nun das Volumen um weitere 40 Milliarden auf 120 Milliarden Franken erhöht. Weil die Geschäftsbanken über die Gelder auf den Girokonti frei verfügen können, erhöht sich die Liquidität. Insgesamt ist die vorhandene Geldmenge damit innerhalb einer Woche um 90 Milliarden Franken gestiegen.

Die Hoffnung der Währungshüter

Was die Banken mit den zusätzlich zur Verfügung stehenden Geldern machen, entzieht sich dem Einfluss der Nationalbank. Die Hoffnung liegt auf zwei Effekten: Einerseits, dass sich die Banken auf der Suche nach höheren Renditen mit dem zusätzlichen Geld verstärkt in Euro- und Dollar-Anlagen engagieren. Anderseits, dass die Banken mit dem Geld, anstatt es zinslos bei der SNB zu lagern, Schweizer Bundesobligationen kaufen. Dies dürfte die Rendite um ein paar Basispunkte senken und die Attraktivität des Frankens schwächen. Ob die Institute sich tatsächlich so verhalten, bleibt allerdings offen.

Vor einer Woche hatte die SNB ihr Ziel für den Leitzins auf möglichst nahe Null gesenkt. Auch damit soll der Franken für Anleger tendenziell weniger attraktiv werden. Allerdings steigt damit auch die Inflations-Gefahr.

Um den Anstieg der Frankenliquidität zu beschleunigen, will die SNB laut ihrer aktuellen Mitteilung erstmals seit Herbst 2008 auch wieder Devisenswap-Geschäfte (siehe Wissen) abschließen. Einmal mehr begründet die Notenbank ihren neuerlichen Schritt damit, dass die fortgesetzte Flucht der Anleger in den sicheren Hafen Franken eine Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft darstelle. Die Preisstabilität zeige erhebliche Abwärtsrisiken. Die Währungshüter schreiben auch, sie würden "bei Bedarf" noch mehr Schritte einleiten.

Hohe Strafzinsen

Der Chef des Asset Managements der Liechtensteinischen Landesbank in Österreich, Christoph von Bonin, stellt im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Presse" die Möglichkeit der Einführung von sehr hohen "Strafzinsen" auf die Franken-Guthaben von Ausländern in Aussicht. "In nächster Zukunft könnte man vielleicht zu negativen Zinsen greifen", so Bonin. Das würde bedeuten, dass ausländische Anleger für ihr in der Schweiz angelegtes Vermögen quasi eine Steuer zahlen müssten, um den Höhenflug des Franken zu stoppen. Derzeit sei der Zinssatz in der Schweiz noch positiv, aber "Negativzinsen können eine Maßnahme sein".

Eine solche Maßnahme ist nicht neu: Um Spekulationen gegen die Landeswährung zu verhindern, haben die Schweizer von 1964 bis 1966 und von 1971 bis 1979 auf Franken-Guthaben von Ausländern Negativzinsen in Höhe von bis zu zehn Prozent pro Quartal erhoben - und das mit Erfolg. 

Keine Trendwende zu erreichen

Dass ein solcher Schritt tatsächlich unmittelbar ins Haus steht, bezweifelt allerdings der Währungsexperte der UniCredit, Michael Rottmann, im Gespräch mit derStandard.at: "Ich denke, zum jetzigen Zeitpunkt ist dieser Schritt noch nicht zu erwarten. Es ist ja auch die Frage ob das etwas hilft. Man bekommt vielleicht eine Umkehrung hin, aber keine Trendwende. Der Höhenflug des Franken basiert ja auf der Krise im Euro-Raum, die weiter schwelt. Diese Krise wird auch nicht von heute auf morgen gelöst."

Außerdem sei der Schweizer Franken keine Finanzwährung erster Wahl, so Rottmann: "Solange die Geldmarktsätze in den USA auf so extrem niedrigen Niveau verharren, ist auch der Dollar als Fremdwährung sicher eine Alternative." (rb, derStandard.at, 10.8.2011)

Zwei Arten von Devisenswap-Geschäften: Bei einem Liquiditätsswap kauft die SNB bei den Banken ausländisches Geld gegen Franken und behält dies für eine gewisse Zeit, normalerweise eine Woche bis sechs Monate. So kommen Franken in den Umlauf. Nach Ablauf der festgelegten Frist muss die SNB die Devisen aber zu einem vorher definierten Kurs zurückverkaufen. Von einem Abschöpfungsswap - die zweite Art von Devisenswap - ist die Rede, wenn die Währungshüter in der gleichen Art von den Banken vorübergehend Franken gegen Devisen kaufen.

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    Die Schweizer kämpfen weiter gegen den Höhenflug der Währung.

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