Alf Poier in der soldatischen Reifenfabrik

27. Juli 2011, 18:14
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Mehr als 450 österreichische Soldaten sind noch im Kosovo – mit wechselnder Belastung

Truppenbetreuung ist bei Soldaten beliebt. Marilyn Monroe und Angelina Jolie traten für die US-Amerikaner auf, Xavier Naidoo für die Deutschen. Für die Österreicher ist es Alf Poier. Was sich wie ein zielgruppenmäßiger Widerspruch anhört, ist keiner - der Auftritt des Musikers und Kabarettisten im österreichisch-Schweizer "Camp Casablanca" , einer ehemaligen Reifenfabrik, im Süden des Kosovos war ein Erfolg. Zu lachen haben die heimischen Soldaten dort unten sonst wenig.

Über 450 Österreicher sind im Rahmen der Kosovo Force (KFOR)noch in dem von der Mehrzahl der UN-Mitglieder nicht anerkannten Staat stationiert. Damit stellt man nach Deutschland und den USA das drittgrößte Kontingent.

Der größte Teil der heimischen Soldaten und 13 Soldatinnen gehört zur "Battle Group South" . In den nächsten Monaten sollen sie übersiedeln und das Camp aufgelöst werden. Die KFOR befindet sich derzeit im sogenannten Gate 2, der Übergangsphase, in der die Präsenz reduziert und Kompetenzen an die kosovarischen Behörden übertragen werden soll.

Gefordert ist die Militärpolizei, die gemeinsam mit Carabinieri im kosovo-serbisch dominierten Nordteil, wo es nun zu Ausschreitungen kam, Dienst versieht. Dann die EODgenannten Kampfmittelbeseitiger, die die noch immer weitverbreiteten Minen und Blindgänger bergen, beseitigen und Kosovaren darin ausbilden. Und die CIMIC, die die Bevölkerung unterstützt.

Auch mithilfe einfacher Infanteriesoldaten wie Cafer Dil von der Alpha-Kompanie. "Wir haben unsere Kaffeekasse und Spenden hergegeben, damit eine sechsköpfige Familie, die in einem Schiffscontainer wohnt, zumindest Fenster und ein Dach gegen die Hitze bekommt" , erzählt er.

Abgegebene Aufgaben

Die Mehrheit der Soldaten hat in Suva Reka aber nicht allzu viel zu tun. Bewachungsaufgaben heikler Objekte wie serbisch-orthodoxe Klöster wurden an die Kosovo Police übergeben, so bleiben Patrouillenfahrten und das kasernierte Leben - verlassen darf man das Camp im Gegensatz zu den Schweizern nämlich nicht.

Den Lagerkoller vermeiden sollen Freizeitangebote: Ein Pool, der offiziell der Löschteich ist, Lokale, in denen man von 18 bis maximal 24 Uhr Alkohol bekommt, Fitnessraum, Kletterwand oder Massagen um höchstens 15 Euro.

Alf Poier und seine Band "Obersteirische Wolfshilfe" schaffen es so spielend, die Bundesheerangehörigen zum Johlen zu bringen. Mit Sätzen wie: "Geht's umi zu den Schweizern, die checken das" , als das Funkmikrofon streikt. Oder dem derb formulierten Hinweis, dass im sechsmonatigen Auslandseinsatz das soldatische Sexualleben deutlich eingeschränkt ist.

"Ich habe ihn nur vom Zappen im ORF gekannt. Aber der ist wirklich lustig" , meint einer, der zunächst desinteressiert in dem Hof zwischen den niedrigen Containern gesessen ist. Auch Poiers Gitarrist Wolfgang Laab war unsicher: "Die Chance stand 50:50, dass wir nicht ankommen." Mit Marilyn konnte man mithalten. (Michael Möseneder aus Suva Reka/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2011)

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