Das Schlosshotel jenseits des Festspielrummels

26. Juli 2011, 19:44
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Das Renaissance-Schloss Fuschl gehört zu den nobelsten Adressen Europas. Am "Sissi"-Drehort der "Sissi"-Filme urlauben Adel und Geld

Salzburg - Eine kühlende Brise weht vom See herauf auf die Restaurantterrasse des Schlosshotel Fuschl. Hier kann man es auch an heißen Sommertagen aushalten. Vom hektischen Treiben rund um die Festspiele in der Stadt Salzburg ist nichts zu bemerken.

"Unsere Gäste machen hier Urlaub. Sie nehmen den Festspielbesuch als Annehmlichkeit mit", beschreibt Hotelchef Wolfgang Greiner die vornehme Distanz der Luxusabsteige zum Festspielzirkus. "Sehen und gesehen werden", sei nicht das Ziel seiner Gäste.

In Fuschl urlaubt jene Sorte Prominenz, die gar nicht in der Zeitung stehen will - und die es sich leisten kann: Ab 390 Euro ist man im Doppelzimmer mit Frühstück dabei. Nach oben gibt es kaum Grenzen: Suiten gibt es zwischen 1740 und 4200 Euro pro Nacht. Geboten wird allerdings auch einiges. Neben dem in dieser Kategorie üblichen Standard glänzt das Schlosshotel mit einer eigenen Fischerei. Was auf den Teller kommt, ist frühmorgens noch im See geschwommen.

Alte Meister

Das Hotel ist zudem ein Museum. Wo anderenorts meist nur Kopien hängen, kann man eine Sammlung alter Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts bestaunen. Die Bilder mit einer Versicherungssumme im dreistelligen Millionenbereich sind mit dem Besitzerwechsel 2001 eingezogen. Damals hatte die Unternehmerfamilie Schörghuber das Hotel von der Grundig-Stiftung übernommen und die Gemäldesammlung mitgebracht. In der Folge wurde der denkmalgeschützte Bau, dessen Turm auf 1461 datiert ist, um rund 50 Millionen Euro saniert.

Heute arbeiten in der Hochsaison rund 280 Menschen im Schlosshotel und im dazugehörenden Jagdhof. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa 20 Millionen. Allein im Schloss zählt man in den 240 Betten rund 13.000 Übernachtungen pro Jahr.

Mitgebracht hat die Familie Schörghuber auch alte Autos. So sind immer wieder Stücke aus ihrer Münchner Sammlung in Fuschl zu sehen. Und für die vielen Oldtimer-Freaks unter den Gästen gibt es spezielle Garagenplätze - mit Ölabscheidern und Steckdosen zum Batterieaufladen.

Diskretion ist hier Teil des Geschäfts. Auf die Frage, wer sich für Sommer 2011 angesagt habe, antwortet Hotelsprecherin Susanne Rührl nur mit einem Lächeln. Die historische Promi-Liste reicht schon: Schauspieler wie Clark Gable oder Yul Brunner residierten im Schlosshotel. Auch Politiker wie Nikita Chruschtschow und Anwar as-Sadat oder Adelige wie Rainier von Monaco oder Prinz Charles gaben sich hier die Klinke in die Hand.

NS-Vergangenheit 

Auch Nazi-Prominenz findet sich in den Annalen. NS-Außenminister Joachim von Ribbentrop hatte die Liegenschaft 1938 Gustav von Remiz abgepresst. Remiz - Aktivist der austrofaschistischen "Vaterländischen Front" - kam im KZ Dachau um.

Agrarlandesrat Sepp Eisl (ÖVP) hat erst kürzlich einen Historiker beauftragt, die NS-Zeit von Schloss Fuschl zu untersuchen. Anlass war ein Bericht des STANDARD, über eine Bauern-Bildungsstiftung des Landes. Diese soll mit Geld von Ribbentrop gegründet worden sein.  (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 27.7.2011)

  • Der einzigartigen Lage auf einer Halbinsel im Fuschlsee verdankt das 
Schlosshotel Fuschl seinen Weltruhm. Heuer will man das erste Mal auch 
in den Wintermonaten offen halten
    foto: neumayr

    Der einzigartigen Lage auf einer Halbinsel im Fuschlsee verdankt das Schlosshotel Fuschl seinen Weltruhm. Heuer will man das erste Mal auch in den Wintermonaten offen halten

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