Dissertationen der Tiroler UMIT erneut bemängelt

25. Juli 2011, 11:51
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Qualitätssicherungsagentur prüfte 56 Dissertationen und vier Habilitationen - "Eigenständige Forschungsleistungen fehlen"

Innsbruck  - Ein Gutachten der Österreichischen Qualitätssicherungsagentur AQA zu 56 gesundheitswissenschaftlichen Dissertationen an der Tiroler Privatuniversität UMIT in Hall und zu vier Habilitationen am ehemaligen Departement für Human- und Wirtschaftswissenschaften sieht wissenschaftliche Mängel. Eine Vielzahl der Arbeiten hätten den Charakter einer Masterarbeit und nicht den einer eigenständigen Forschungsleistung, stellten die Experten laut einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Montagsausgabe) fest.

"Keine Beitrag zur Weiterentwicklung"

Die AQA hatte die Arbeiten im Auftrag er UMIT unter die Lupe genommen. Im September des Vorjahres war der Privatuniversität die Akkreditierung des Doktoratstudiums Gesundheitswissenschaften entzogen worden, das Department existiert zwischenzeitlich nicht mehr.

Laut "TT" fällt das Urteil der Experten zu den überprüften Dissertationen aus den Jahren 2008 bis 2010 "wenig schmeichelhaft" aus. Unter anderem würden viele der Doktorarbeiten keinen Bezug zum breiten Feld der Gesundheitswissenschaften aufweisen, sondern müssten eigentlich juristischen, betriebswirtschaftlichen oder klinisch-medizinischen Fachbereichen zugeordnet werden. Die Mehrzahl der untersuchten Arbeiten würden zudem keinen Beitrag zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Feldes leisten.

Ferner orteten die Gutachter Schwächen in Methodik, Aufbau und Stringenz. Den Betreuern würde oft das fachlich einschlägige Wissen fehlen, und die Prüfungsprotokolle seien mangelhaft gewesen. Kritik übten die Experten auch an den 2008/09 durchgeführten Habilitationsverfahren zur Erlangung der Lehrbefugnis an der UMIT. Zum einen sei die inhaltliche Würdigung schwach ausgeprägt, zum anderen seien die Gutachten verhältnismäßig kurz und würden wenig Auskunft über die wissenschaftliche Qualität der Habilitationen geben.

"Strukturelles Problem"

Die Tiroler Grünen forderten am Montag in einer Aussendung Konsequenzen. "Wenn alle überprüften Berufungen für Professuren beanstandet wurden, ebenso wie praktisch alle überprüften Dissertationen, dann handelt es sich um ein strukturelles Problem. Das stellt die gesamte Existenz der UMIT infrage", kritisierte LAbg. Gebi Mair. Die von der österreichischen AQA nun vernichtend kritisierte wissenschaftliche Struktur sei unter dem damaligen Rektor und dem nunmehrigen Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP) entstanden. Aufgabe des Rektorrats sei es jetzt, nachzuweisen, wie sich die wissenschaftliche Qualität an der UMIT im vergangenen halben Jahr verbessert haben soll. (APA)

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