Mit finnischem Visum quer durch Schengen

21. Juli 2011, 18:39
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Visum 2009 ausgestellt - Helsinki zieht Visum zurück und vermutet "verschiedene Schreibweisen" als Grund für bisher unbehelligte Reisetätigkeit

Wien - Wie ist es möglich, dass sich der Ex-KGB-Offizier Michail Golowatow trotz europäischen Haftbefehls so lange unbehelligt in Europa bewegen konnte?

Den Haftbefehl erließ Litauen im Oktober 2010. Zu diesem Zeitpunkt war Golowatow allerdings schon in Besitz eines Schengen- Visums, das ihm erlaubte, ohne Personenkontrolle im Schengenraum zu reisen. Das Visum erhielt er im November 2009 von Finnland. Bei der damals erfolgten üblichen Prüfung lag noch nichts gegen den Russen vor. In Wien wurde er nur deshalb festgehalten, weil er über Russland nach Österreich einflog und damit an der Außengrenze von Schengen kontrolliert werden musste.

Wenn Golowatow zwischen Deutschland, Zypern oder Frankreich pendelte, wurde er - aufgrund des Visums - nicht kontrolliert. Die Regierungen der genannten Länder wollen nun keine Stellung mehr dazu abgeben, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Anders die Finnen, die das Schengen-Visum seit Mittwoch außer Kraft gesetzt haben und die Litauer über den Hergang informiert haben. Dass dies nicht schon mit dem Erlass des Haftbefehls passiert ist, hänge mit der unterschiedlichen Schreibweise des Vornamens (Michail, Mikhail) der Behörden zusammen, räumt Vesa Häkkinen, finnischer Sektionschef für Visaangelegenheiten, im Gespräch mit dem Standard ein.

Der litauische Außenminister hat am Mittwoch dem russischen Botschafter in Vilnius eine Protestnote überreicht. Protestiert wird unter anderem gegen die zustimmenden Aussagen von Vertretern Russlands zum Vorgehen der österreichischen Behörden. Polen, derzeit EU-Ratsvorsitzender, hat angeboten, sich in Form eines moderierten Treffens zwischen Österreich und Litauen für eine rasche Lösung des Konflikts zu engagieren. (juh, veh/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2011)

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