Strom vom Muslim

19. Juli 2011, 19:35
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Nach der Explosion im Munitionslager auf Zypern wird es politisch eng für den Präsidenten im griechischen Teil.

Es ist jetzt so: Die griechischen Zyprer (=Zyprioten) bekommen den Strom von den türkischen Zyprern, die von den türkischen Türken wiederum das Haushaltsgeld bekommen und den militärischen Beistand (die Duschen für die türkischen Rekruten auf Zypern sollen – Information aus erster Hand – lausig sein). Das heißt also, das Licht auf dem Schreibtisch von Demetris Christofias, dem zyprischen Präsidenten und griechisch-zypriotischen Führer, kommt aus Ankara. Man versteht nun gleich besser, wie eng es politisch gerade für Herrn Christofias ist.

Außenminister Marcos Kyprianou hat heute abend den Hut draufgehauen, wobei man sagen muss, er hat seit Montag schon so viel über diesen kommenden Schritt philosophiert, weil er wohl gedacht hat, irgendwie sei es vielleicht doch möglich nicht zurück, sondern so lange mit den anderen im Kabinett im Kreis zu treten, bis alles vergessen ist: die 13 Toten, die 98 Metallcontainer mit der Munition, einigermaßen luftdicht verpackt und seit zwei Jahren im Freien, auch bei 40 Grad im Sommer, das ganze praktischerweise an einem Ort und blöderweise nur einige hundert Meter vom größten Kraftwerk der Insel.

Weil Kyprianou dem kleineren Koalitionspartner Diko, der Demokratischen Partei, angehört, wird sein Rücktritt schon als Zeichen dafür gewertet, dass das ganze Bündnis mit den Kommunisten von Präsident Christofias nun schnell den Orkus hinuntergeht. Diko hat sich sowieso nicht mehr wohl gefühlt in der Regierung, seit die Partei bei den Parlamentswahlen im vergangenen Mai Stimmen und Sitze verloren hat und eigensinnige Köpfe auch noch die Wiederwahl von Parteichef Marios Garoyian zum Parlamentspräsidenten ruinierten.

Die Protest- und Gedenkdemonstrationen heute abend in Nikosia zum Jahrestag der türkischen Invasion auf Zypern (20. Juli 1974), live auf CyBC, könnten der Anfang vom Ende der Regierung Christofias sein. Der zypriotische Präsident hat sich nicht entschuldigt für die Schludrigkeit von Regierung und Behörden, die offensichtlich zur fatalen Explosion in der Marinebasis Evangelos Florakis nahe dem Dorf Mari zwischen Larnaka und Limassol am 11. Juli geführt hatten.

Die Stromlieferungen aus Nordzypern sollen noch mindestens den August über andauern, und Erzbischof Chrysostomos, ein rechter Türkenfeind, hat schon angekündigt, dass er lieber mit einer Lanterne herumgeht, als den Strom des Muslims zu nehmen. Für die innerzyprischen Verhandlungen jedenfalls sind Christofias Probleme außerordentlich schlecht. Ein geschwächter Präsident kann weder etwas anbieten noch für Kompromisse werben.

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    Proteste gegen Christofias.

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