Sängerknaben: Kein Bäumefällen im Augarten

19. Juli 2011, 14:54
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Vassilakou meint, ein Urwald sei in Gefahr - Stimmt nicht, sagen die Sängerknaben bei einer Baustellenführung

"Es ist noch immer nicht vorbei. Jetzt geht es um ein wunderschönes Stückchen bewaldeten Park, das sich genau zwischen Halle und Sommerkino befindet. Ein Stück Urwald mitten in Wien," sagte die grüne Vizebürgermeisterin und Stadträtin für BürgerInnenbeteiligung Maria Vassilakou vergangene Woche im derStandard.at-Interview.

Das Stückchen Urwald soll sich beim Augartenspitz befinden, jener Teil vom Augarten, der in den vergangenen Jahren öfters in den Schlagzeilen war. Der Streit um den Bau des Proberaums für die Wiener Sängerknaben zog sich über Jahre, mehrere Bürgerinitiativen setzten sich für den Augartenspitz ein. Der Baubeginn konnte nicht verhindert werden, der Rohbau soll im September fertig sein, im Dezember 2012 wollen die Sängerknaben das Gebäude eröffnen. Vassilakous Ankündigung "jeden Fleck innerstädtisches Grün" verteidigen zu wollen, hat wieder für Aufsehen gesorgt. 

Kein Klanggarten und keine Rodungen

Elke Hesse, Geschäftsführerin der Wiener Sängerknaben, versteht die Aufregung nicht. "Es wird keinen Klanggarten und keine Baumrodungen geben", sagt sie bei einem Lokalaugenschein der Baustelle im Augarten zu derStandard.at. Zu Beginn der Planungsphase war ein Klanggarten angedacht, von dieser Idee habe man sich schon lange verabschiedet.

Das Stückchen Urwald, das sich bei dem Lokalaugenschein als Bäumchen mit ein paar Sträuchern in Erscheinung tritt, sei keinesfalls gefährdet. Auf dem Bauplan sind die vergangenen Rodungen und Umpflanzungen ersichtlich, auch wo die Ersatzpflanzungen vorgenommen werden müssen. Außerdem haben sich die Sängerknaben verpflichtet die historische Kastanienallee fortzuführen, bis zum Tor in der Augartenstraße.

"Dementi für die Katz"

Die Bürgerinitiative Verein der Freunde des Augartens ist trotzdem skeptisch. Vieles wurde in der Vergangenheit falsch oder gar nicht kommuniziert. Ein Problem, das auch Elke Hesse bestätigt, die seit Mai dieses Jahres für die Sängerknaben arbeitet. Monika Roesler-Schmid, Obfrau des Vereins der Freunde des Augartens, meint zu derStandard.at. "Die Dementi sind für die Katz". Der Großteil des umstrittenen Grünstreifens sei "spontan und wild gewachsen", ohne Einfluss und Pflege der Burghauptmannschaft, dem Verwalter des Parks. Der Augarten und auch der Augartenspitz seien Eigentum der Republik Österreich, also von jedem einzelnen Bürger. Aber es gehe hier nicht um einen einzelnen Baum und neuerliche Begehrlichkeiten des Bauträgers, sondern um das "große Ganze". Die Initiative habe sich dem Ziel seit 1998 dem Ziel verschrieben, die Verbauung des Augartens zu verhindern und für die Beibehaltung jedes Stückchen Grüns, für Menschen aber auch für die Tierwelt zu kämpfen.

Auf Nachfrage, ob die Vizebürgermeisterin die Belange der Bürgerinitiativen trotzdem weiter unterstützen werde, gibt es eine schriftliche Stellungnahme aus dem Büro Vassilakou. "Wir wollen, dass am Augartenspitz Ruhe einkehrt und keine weiteren Projekte realisiert werden." (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 19.7.2011)

  • "Es geht nicht um einen einzelnen Baum, sondern um das große Ganze", sagt Monika Roesler-Schmid vom Verein der Freunde des Augartens.
    foto: derstandard.at/mte

    "Es geht nicht um einen einzelnen Baum, sondern um das große Ganze", sagt Monika Roesler-Schmid vom Verein der Freunde des Augartens.

  • Die Kräne der Baustelle am Augartenspitz sind von weitem erkennbar.
    foto: derstandard.at/mte

    Die Kräne der Baustelle am Augartenspitz sind von weitem erkennbar.

  • Die historische Kastanienallee soll weitergeführt werden.
    foto: derstandard.at/mte

    Die historische Kastanienallee soll weitergeführt werden.

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