Echsen mit Medienverstand

17. Juli 2011, 20:35
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Ein weiterer Fall zeitgenössischer Science-Fiction, der sich mit Recycling zufrieden gibt

In den USA, wo die Science-Fiction-Serie "V - Die Besucher" bereits im Herbst 2009 startete (Montag, 20.15 Uhr, ProSieben), erkannten Kritiker darin Verweise auf die noch nicht lange zurückliegende Obamamania. Tatsächlich hat es etwas für sich, in den Außerirdischen, die eines Tages ihre Ufos über Weltstädten parken und auf ihre friedliche Mission pochen, eine Auseinandersetzung mit den Strategien des US-Präsidenten zu sehen: Schließlich verlangen auch die Aliens Krankenversicherung für alle.

Allerdings handelt es sich bei den Besuchern um Wölfe im Schafspelz, genauer: um Reptilien im geklonten Menschenkostüm. Anna (Morena Baccarin), ihre Anführerin, macht den Menschen zwar schöne Augen, verfolgt in Wahrheit aber finstere Pläne. Älteren Semestern wird dies bekannt vorkommen: Die Serie wurde bereits einmal in den 1980er-Jahren unter dem Titel "V - Die außerirdischen Besucher" kommen realisiert und wies etliche Anspielungen auf die NS-Zeit auf.

In der Neuauflage tritt stärker das Spiel mit mediengesteuerten Wirklichkeiten in den Vordergrund. Eine der zentralen Rollen hat ein Journalist, der beim Interview mit Anna erfahren muss, dass dieser allein an einem positiven Image gelegen ist. Zugleich formiert sich eine Gruppe Widerständiger, die an die Heilsversprechungen der Aliens nicht glauben wollen. Ihre Paranoia ist ausnahmsweise berechtigt.

Trotz kleinerer Anpassungen an die Gegenwart bleibt "V - Die Besucher" ein eher epigonales Unterfangen. Die Figuren entwickeln wenig Eigenleben, die Spannungsmotive wirken allzu vertraut. Insgesamt ein weiterer Fall zeitgenössischer Science-Fiction, der sich mit Recycling zufrieden gibt. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD; Printausgabe, 18.7.2011)

  • Die Protagonisten der Serie.
    foto: abc/prosieben

    Die Protagonisten der Serie.

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