Der Klosterkeller wird zur "Entertainment"-Gruft

14. Juli 2011, 19:09
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Im Barock-Keller neben der Michaelergruft soll österreichisches "Historyland" entstehen

Wien - Den Salvatorianer-Mönchen scheint ein lukrativer Coup gelungen zu sein: Die tief unter dem Kloster liegenden, feuchten und daher praktisch unvermietbaren barocken Kellergeschoß-Räume neben der Michaelergruft erregten vor Monaten das Interesse eines Unternehmers. Dieser präsentierte den Mönchen nun ein (auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt klostertaugliches) Museums-Konzept, das aber positive Resonanz hervorrief: Die Entwürfe des Investors, der vorerst nicht genannt werden möchte, seien "beeindruckend", schwärmt Pater Peter van Meijl.

Die Geschichte Österreichs soll von der Barockzeit bis zum Ende der Habsburger-Monarchie (und vielleicht darüber hinaus) in Disney-artiger Manier dargestellt werden. Persönlichkeiten wie Maria Theresia, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth sowie Wolfgang Amadeus Mozart seien zentraler Bestandteil des Museums, welches "mehr von der Entertainment-Seite" (Multimedia, Computeranimation) kommen soll, so Pater Peter.

Grünes Licht vom Bundesdenkmalamt

Wann genau mit dem Bau des Museums begonnen wird, könne er noch nicht genau sagen. Einige Behörden-Hürden seien noch zu nehmen. Vom Bundesdenkmalamt gab es - nach umfangreichen Untersuchungen - jedenfalls grünes Licht für den Umbau des über 1200 Quadratmeter großen, zweistöckigen Kellers. Allerdings mit Auflagen: Das Mauerwerk muss, mit Ausnahme einiger Durchbrüche, erhalten bleiben. Große Vorsicht sei auch mit dem Überraschungsfund, einer historisch wertvollen Treppen-Spindel aus Holz mit Fälljahr 1588, geboten. Diese müsse bei einem eventuellen Abbau der Wendeltreppe geborgen und an adäquater Stelle deponiert werden, sagt Manuela Legen vom Bundesdenkmalamt.

Auch "oberirdisch" müssen einige Herausforderungen gemeistert werden, insbesondere was den Eingang ins Museum betrifft: Zusätzlich zum bestehenden Eingang ins Kloster über die Habsburgergasse soll ein zweiter Eingang über das am Konvent angrenzende Nachbarhaus am Kohlmarkt geschaffen werden. Geht alles nach Plan, so werde die Erlebniswelt Mitte nächsten Jahres eröffnen, heißt es aus dem Kloster. (Carola Timmel, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2011)

  • Die Treppen-Spindel darf nicht zerstört werden.
    foto: buchinger

    Die Treppen-Spindel darf nicht zerstört werden.

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