Beschlossen: Töchter kommen in Hymne

13. Juli 2011, 11:37
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SPÖ, ÖVP, Grüne einig: Neue Bundeshymne mit 1. Jänner 2012

Wien/Innsbruck - Nach jahrelangen Diskussionen wird es nun mit der Änderung der Bundeshymne ernst. SPÖ, ÖVP und Grüne haben sich darauf verständigt, die Textpassage, in der die "großen Söhne" besungen werden, um die "Töchter" zu erweitern. Das erklärten die Frauensprecherinnen der drei Parteien, Gisela Wurm (SPÖ), Dorothea Schittenhelm (ÖVP) und Judith Schwentner (Grüne), bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Beschlossen werden soll die Gesetzesänderung im Herbst, mit 1. Jänner 2012 könnte dann schon die neue Hymne gesungen werden.

FPÖ gegen Änderung

Laut den drei Parlamentarierinnen ist bei dem Vorhaben auch das BZÖ mit an Bord. Die FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber ist gegen eine Änderung der Hymne. In einer Aussendung sprach sie von "Gender-Klamauk". Wie die Textänderung nun genau aussehen wird, ist allerdings noch nicht fix. Das soll mit Experten beraten werden. Derzeit ist im Gespräch, die Zeile "Heimat bist du großer Söhne" durch die Wortfolge "Heimat großer Töchter, Söhne" zu ersetzen. Laut Schittenhelm ist das aber noch nicht fix, es könnte auch beispielsweise "Heimat bist du großer Töchter und großer Söhne" heißen.

Die "Brüderchöre" in der dritten Strophe sollen bleiben. Eine komplette Neufassung der Hymne wurde von Wurm und Schittenhelm heute abgelehnt.

Anstoß für die Änderung war ein gemeinsamer Antrag mehrerer Frauen von SPÖ, ÖVP und Grünen, den die Abgeordnete Maria Rauch-Kallat (ÖVP) am Freitag im Nationalrat eingebracht hatte. Dabei war es allerdings zu einem Konflikt innerhalb der ÖVP gekommen. Die Aktion war nicht mit den Männern innerhalb der ÖVP und dem Klubchef Karlheinz Kopf abgesprochen worden. Kopf ließ die männlichen Abgeordneten so lange reden, dass Rauch-Kallat den Antrag nur mehr schriftlich einbringen konnte. Ihre Rede konnte sie nicht halten. 

Aussprache und mehr weibliche Zusammenarbeit

Nach der Nationalratssitzung hatten die ÖVP-Männer tagelang zum Thema geschwiegen. Gestern Abend hat es laut ÖVP-Frauensprecherin Schittenhelm dann eine Aussprache zwischen ÖVP-Chef Michael Spindelegger, Klubchef Kopf und ihr gegeben, und man habe sich darauf geeinigt, die Hymne um die Töchter zu erweitern. 

Die Frauensprecherinnen kündigten an, auch weiterhin bei frauen- und familienpolitischen und auch bei anderen Themen im Nationalrat zusammenzuarbeiten. Als Beispiel wurde die Debatte rund um eine Frauenquote für Spitzenpositionen in Unternehmen genannt. (APA/lis, derStandard.at, 13.7.2011)

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    Die Frauensprecherinnen Dorothea Schittenhelm (ÖVP), Gisela Wurm (SPÖ) und Judith Schwentner (Grüne, v.l.) verkündeten heute die Änderung der Bundeshymne per Gesetzesbeschluss im Herbst 2011.

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