Kombi-Cholesterinsenkung hilft Nierenkranken

11. Juli 2011, 12:04
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Sie haben hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Deutliche Reduktion der Gefährdung

London - Gesundheitsgefahr im Doppelpack: Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz leiden nicht nur an diesem Problem. Sie haben auch ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt & Co. Deshalb versucht die Medizin, neben der Behandlung der Nierenerkrankung auch diese Gefährdung zu verringern. Mit einem Kombi-Medikament zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels (Simvastatin/Ezetimibe) ist das jetzt gelungen, schrieben britische Wissenschafter vor kurzem im angesehenen Medizin-Fachjournal "The Lancet" (25. Juni).

"Je tiefer der LDL-Cholesterinwert, desto besser", lautet die Faustregel der Kardiologen und Stoffwechselexperten. Bei Personen mit hohem Risiko wird ein Wert von maximal 100 Milligramm pro Deziliter Blut angestrebt, bei Personen mit sehr hohem Risiko ein "Pegel" von maximal 70 Milligramm. Mit den herkömmlichen Cholesterinsenkern - vor allem sogenannte "Statine", welche die Cholesterinsynthese in der Leber hemmen - stößt man bei vielen Patienten an die Grenze des Möglichen.

Schwieriger Nachweis

Vor Jahren schon wurde mit einer Kombination von Simvastatin (20 Milligramm) und dem Wirkstoff Ezetimibe (zehn Milligramm) ein neuer Weg begangen. Ezetimibe soll die Wirkung des Statins verdoppeln bis vervierfachen, weil es zusätzlich die Wiederaufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmt. Allerdings tat man sich mit dem Nachweis eines positiven Effektes, welcher der unter Behandlung tatsächlich eintretenden deutlichen Cholesterinsenkung entsprach, bisher schwer.

Bei schwer Nierenkranken gelang genau dieser Nachweis jetzt - und zwar unabhängig, ob sie bereits zur Dialyse mussten oder nicht. Colin Baigent und die Co-Autoren hatten 4.650 Patienten in eine Gruppe aufgenommen, die täglich die Kombination aus Simvastatin und Ezetimibe erhielt. 4.620 Personen bekamen hingegen ein Placebo. Es durfte noch keine nachweisbare Herz-Kreislauf-Erkrankung neben der Niereninsuffizienz vorliegen.

Nach durchschnittlich 4,9 Jahren Beobachtungszeit zeigte sich, dass unter den wirklich Behandelten die Häufigkeit, ein erstes akutes Herz-Kreislaufproblem zu entwickeln (nicht-tödlicher Infarkt, ischämischer Schlaganfall, tödlicher Infarkt oder Notwendigkeit für eine Bypass-Operation bzw. Ballon-Dilatation) um 17 Prozent statistisch signifikant senkte (von einer Häufigkeit von 13,4 auf 11,3 Prozent).

Die Autoren: "Die Reduktion des LDL-Cholesterins mit 20 Milligramm Simvastatin und zehn Milligramm Ezetimibe pro Tag ist sicher und verringert die Häufigkeit von größeren Herz-Kreislauf-Ereignissen bei einer großen Gruppe von Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung." Die Studie wurde zum Teil von der Pharmaindustrie, aber auch von den nationalen australischen und britischen Medizin-Forschungsräten und von der britischen Herzstiftung finanziert. (APA)

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Abstract in "The Lancet" (25. Juni)

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