Missbrauchsvorwürfe: Frau überlebte Suizidversuch nur knapp

    10. Juli 2011, 18:55
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    45-Jährige hatte mehrere Geistliche angezeigt, aber es gab keine Anklage

    Wien - Jene heute 45-jährige Frau, die mehrere Geistliche unter anderem wegen sexueller Nötigung angezeigt hatte, hat laut der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt am vergangenen Donnerstag einen Selbstmordversuch unternommen und nur knapp überlebt. Auslöser sei die offizielle kirchliche Reaktion auf die Zurücklegung der Anzeige gewesen, teilte die Plattform, die die Frau betreut, am Sonntag mit.

    Die Frau hatte gegen einen hohen Funktionär des Päpstlichen Missionswerkes "Missio", Leo M., wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung sowie gegen einen Tiroler Pater wegen Missbrauchs Anzeige erstattet. M. hatte die Anschuldigungen vehement zurückgewiesen. Der Tiroler Pater hat ein schriftliches Schuldeingeständnis später widerrufen. Auch gegen Christoph Kardinal Schönborn wurde Anzeige erstattet, da er von den Vorfällen informiert gewesen sein soll. Ein Sprecher sagte stets, es habe sich bei dem Kontakt um ein Beichtgespräch gehandelt.

    Abschiedsbrief

    In einem Abschiedsbrief hat die Frau laut Plattform die Vorwürfe gegen M. bekräftigt, ebenso gegen Schönborn. Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen alle drei Geistlichen eingestellt. Grund war laut Behörde Verjährung beziehungsweise, dass der Tatbestand der sexuellen Nötigung im Fall M. "objektiv nicht erfüllt" sei.

    M. hatte auch mit einem Gutachten argumentiert, das der Frau eine psychische Erkrankung bescheinigt. Experten äußerten Zweifel an dem Gutachten, da es sich um eine Ferndiagnose gehandelt habe. (APA, spri, DER STANDARD Printausgabe, 11.7.2011)

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