Ein Maserati für Chinas Rotes Kreuz

4. Juli 2011, 18:06
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Affäre um angeblichen Spendenmissbrauch zeigt Macht der Mikroblogger

Guo Meimei ahnte nicht, welchen Sturm sie im Internet auslösen würde, als sie sich mit ihrem Geburtstagsgeschenk brüstete. Die 20-Jährige hatte einen 250.000 Euro teuren weißen Maserati erhalten. Er passe zu ihrem orangefarbenen Lamborghini, gab sie im Internet damit an. Über ihren Mikroblog "Sina Weibo" verschickte sie Fotos von sich und dem neuen Wagen. Guo fiel aber erst auf, als sie sich als "Geschäftsführerin der Business-Gruppe des Chinesischen Roten Kreuzes" zu erkennen gab.

Andere Blogger witterten einen Spendengeld-Skandal. Guos Mikroblog wurde zum Auslöser für Chinas größte virtuelle Nachforschungskampagne, seit es das Internet gibt. Für die virtuelle Massensuche gibt es bereits den zynischen Begriff "Renrou Shousuo" (Suchmaschine nach Menschenfleisch). "Vertrauenskrise um das Rote Kreuz", titelte kurz darauf das Wochenmagazin Caixin.

Job erfunden

Die Organisation wehrte sich und bestritt, eine Business-Abteilung zu besitzen, hätte auch noch niemals etwas von Guo Meimei gehört. Auch die 20-Jährige gab zu, dass sie den Job erfunden hatte. Doch kaum eine Woche später musste der Leiter des Roten Kreuzes einräumen, dass es doch eine seit dem Jahr 2000 bestehende Business-Gesellschaft gibt. Am 1. Juli wurde sie geschlossen.

Das Ganze ist ein Lehrstück, welche Macht heute Millionen chinesischer Blogger ausüben können. Der Kulturkritiker Chen Danqing warnt vor der Gefahr von Manipulationen und Vorverurteilungen, wenn sich Millionen Menschen online zu Anklägern erheben dürfen. Diese Gefahr sei real, "solange es keine Presse- und Meinungsfreiheit gibt", sagt er zum Standard. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD-Printausgabe, 5.7.2011)

  • Guo Meimei, vermeintliche Rotkreuzmitarbeiterin, und ihr Geburtstagsgeschenk.
    foto: privat

    Guo Meimei, vermeintliche Rotkreuzmitarbeiterin, und ihr Geburtstagsgeschenk.

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