Wie objektiv sind Amazon-Rezensionen?

1. Juli 2011, 11:16
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Studie legt nahe, dass Rezensenten Objektivität zugunsten kostenloser Produkte vernachlässigen könnten

Wer sich auf Amazon vor einem Kauf ausschließlich auf Kundenrezensionen verlassen will, sollte wachsam sein. Viele der Top-Rezensenten könnten weniger unabhängig, als man annehmen möchte. Das legt jedenfalls Soziologe Trevor Pinch von der Cornell University in einer neuen Studie nahe, berichtet PCMag.

85 Prozent bekommen Gratis-Produkte

Pinch befragte 166 der Top 1.000 Rezensenten auf der Handelsplattform. 85 Prozent der beobachteten Personen würden "oft oder immer" kostenlose Produkte von Autoren, Verlagen, Agenturen und Herstellern erhalten. 78 Prozent hätten danach eine Bewertung zu den Produkten geschrieben. 40 Prozent sind seien selbst Autoren, 11 Prozent im Ruhestand. Über das Programm Amazon Vine werden auf Einladung kostenlose Produkte für Tests und Rezensionen vergeben.

Zweite Karriere

Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches, immerhin können professionelle oder auch Laien-Rezensenten Bücher oder andere Produkte nicht alle selbst kaufen. Die Top-Rezensenten würden Tausende Bewertungen schreiben, was für viele fast zu einem zweiten Job geworden sei. Laut dem Soziologen würden viele aus Spaß an der Sache schreiben. Wenn sie allerdings in die Reihung der beliebtesten Rezensenten aufgenommen würden, müssten sie weitere Bewertungen und Kommentare produzieren, um im Ranking nicht wieder abzusteigen. 

Sammler

Das könnte unter Umständen dazu führen, dass sie Produkte nur mehr deswegen bewerten, um in dieser Liste zu bleiben. Das habe sich mittlerweile so weit entwickelt, dass beispielsweise Literaten Bewertungen zur Klobürsten oder andere Haushaltsprodukten schreiben, meint Pinch. Natürlich könnte es für viele auch alleine deswegen schon ein Anreiz sein Bewertungen zu schreiben, damit sie kostenlose Produkte erhalten.

Fake-Bewertungen durch Unternehmen

Natürlich kommt es auch immer wieder vor, dass Unternehmen selbst positive Kritik zu ihren Angeboten verfassen. So hatte etwa der ehemalige WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen zwei positive Bewertungen zu dem in Medien weitgehend heftig kritisiertem Tablet verfasst. Nachdem die Sache aufgedeckt wurde, gab er die Leitung des Unternehmens ab (der WebStandard berichtete). (red)

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