Österreichs erfolgreichste NHL-Saison

28. Juni 2011, 01:41
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Mit der Vertragsverlängerung von Andreas Nödl bei Philadelphia geht das für Spieler österreichischer Her­kunft erfolgreichste NHL-Jahr der Geschichte zu Ende

Es war der endgültige Schlusspunkt der aus österreichischer Sicht besten NHL-Saison der Geschichte: Am Montagvormittag amerikanischer Ostküstenzeit verkündeten die Philadelphia Flyers die Vertragsverlängerung mit dem Wiener Andreas Nödl. Nachdem Michael Grabner bereits Mitte Mai seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag bei den New York Islanders gesetzt hatte, steht damit fest, dass die drei rot-weiß-roten NHL-Legionäre der abgelaufenen Saison auch im kommenden Spieljahr in der besten Liga der Welt zu sehen sein werden.

Größte Weiterentwicklung bei Nödl

Bei den im Umbau begriffenen Flyers aus Philadelphia, die vergangene Woche mit Mike Richards und Jeff Carter zwei ihrer besten vier Scorer der letzten Saison verloren haben, erhielt der 24jährige Nödl einen Kontrakt über zwei weitere Jahre. Wie schon Grabner schaffte es also auch er, einen direkten Anschlussvertrag an seinen "Entry Level Contract" zu bekommen.
Diese Verlängerung dokumentiert die Zufriedenheit der Flyers-Organisation mit der Entwicklung des österreichischen Flügelspielers, der im April mit der Pelle Lindbergh Memorial Trophy ausgezeichnet wurde. Ein Award, der in Philadelphia jährlich an jenen Crack verliehen wird, der sein Spiel innerhalb einer Saison am stärksten verbessert hat. Bemerkenswert und sehr aussagekräftig: Gewählt wird der Preisträger direkt von seinen Mitspielern im Team.

Finanzielle Planungssicherheit durch neuen Vertrag

Der neue, insgesamt knapp 1,7 Millionen Dollar schwere Zwei-Jahres-Vertrag ist für Nödl der krönende Abschluss einer Spielzeit, in deren Verlauf er neue Karriere-Topwerte sowohl bei der Anzahl der absolvierten Spiele,  erzielten Tore, geleisteten Vorarbeiten und gesammelten Punkte als auch in der Plus/Minus-Wertung erreichte. An der Seite seiner häufigsten Linienkollegen Mike Richards und James van Riemsdyk stellte der Wiener, im System der Flyers eigentlich als klassischer "Grinder" einer vierten Linie betrachtet, auch seine offensiven Qualitäten unter Beweis. Inwieweit ihm dieses neue Rollenbild dauerhaft zugedacht wird, kann im Moment freilich noch nicht abgeschätzt werden: Das wird sich erst aus Philadelphias Transfertätigkeit in den folgenden Sommermonaten ablesen lassen. Positiv für Nödl: Sein neuer Vertrag garantiert ihm auch im Falle einer (kurzfristigen) Degradierung in die AHL sein volles Gehalt.

Grabners Traumsaison

Für noch größere Schlagzeilen als der Wiener sorgte in der abgelaufenen Saison am anderen Ende der NHL-Tabelle Michael Grabner. Letzten Sommer vom heurigen Stanley Cup-Finalisten Vancouver nach Florida und von dort bald weiter nach Long Island abgegeben, legte der gebürtige Villacher ein wahres Bilderbuchjahr hin und avancierte mit 34 Treffern zum besten Torschützen seiner New York Islanders. Der Gewinn der "Fastest Skater Competition" beim NHL-Allstargame und der mediale Rummel rund um seine Leistungen sowie die Popularität seines unkonventionellen Twitter-Auftritts brachten dem 23jährigen nicht nur die Nominierung zum "Rookie of the Year", sondern auch einen neuen, insgesamt 15 Millionen Dollar schweren Vertrag ein. Im Rahmen seines Fünf-Jahres-Kontrakts mit den Islanders erhält Grabner in der kommenden Saison eine Million Dollar - eine Summe, die sich mit jeder weiteren Spielzeit um eine zusätzliche Million erhöht.

Vanek im Aufwind

Auch für Österreichs großen NHL-Star Thomas Vanek verlief die Saison 2010/11 weitestgehend positiv. Zwar scheiterte er mit seinen Buffalo Sabres erneut in der ersten Runde der Play-Offs, sein eigenes Spiel konnte er jedoch stabilisieren: Nach dem eher durchwachsenen Spieljahr zuvor steigerte der 27jährige seinen Punkteschnitt pro Spiel heuer um knapp 20 Prozent. Nach insgesamt 505 Karriere-Einsätzen in der NHL geht Vanek in seine siebte Saison in der stärksten Liga der Welt, die fünfte im Rahmen seines Sieben-Jahres-Vertrags bei den Sabres.

Beste österreichische Saison der NHL-Geschichte

In der kommenden Spielzeit kehren also drei der sechs österreichischen Spieler mit NHL-Erfahrung auf das Eis der nordamerikanischen Profiliga zurück. Alle Vorzeichen deuten darauf hin, dass das Trio dafür sorgen wird, dass 2011/12 die Marke von 1.000 rot-weiß-roten NHL-Einsätzen übertroffen wird: Aktuell halten Spieler aus der Alpenrepublik bei insgesamt 923 Spielen mit 526 Punkten (283 Tore, 243 Assists). Die abgelaufene Saison geht in den Kategorien Einsätze (232), Tore (82), Assists (70) und Punkte (152) als die aus österreichischer Sicht erfolgreichste in die NHL-Geschichte ein.

Komarek nicht gedraftet

Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt jedoch auch ein Wermutstropfen, denn das Trio dürfte in der NHL noch für längere Zeit auf sich alleine gestellt bleiben. Beim Draft am vergangenen Wochenende blieb die österreichische Hoffnung nach einer Auswahl von Konstantin Komarek unerfüllt. Der 18jährige Schweden-Legionär benötigt nun eine außergewöhnliche Saison bei Luleå, um im kommenden Jahr noch eine kleine Chance zu haben, von einem NHL-Team gedraftet zu werden. Bei den World Juniors 2010 herausragender österreichischer Akteur mitten unter der Nachwuchs-Weltelite, schaffte der Wiener in der abgelaufenen Saison den Durchbruch in der Elitserien. Für die Verantwortlichen beim ÖEHV zu wenig, um sich einen Platz im erlesenen Kader für die letzte Weltmeisterschaft zu verdienen. Eine Bühne, die Komarek, der im Frühjahr noch am Radar zweier NHL-Teams auftauchte, wohl gebraucht hätte, um sich nachdrücklicher zu empfehlen. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 28.Juni 2011)

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    foto: derstandard.at/hannes biedermann
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