Erstmals Spin-Quantensprünge eines einzelnen Protons nachgewiesen

26. Juni 2011, 11:19
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Bislang nur bei Teilchenensembles gelungen

Mainz - Deutschen Forschern ist der erstmalige Nachweis von Spin-Quantensprüngen eines einzelnen Protons gelungen, ein wichtiger Schritt zur angestrebten Hochpräzisionsmessung der magnetischen Eigenschaften des Protons. Das Messprinzip basiert auf der Beobachtung eines einzelnen Protons, das in einer elektromagnetischen Teilchenfalle gespeichert ist. Das gleiche Prinzip könnte ebenso auf ein einzelnes Antiproton angewendet werden und nährt die Hoffnung, die alte Frage des Materie-Antimaterie-Ungleichgewichts im Universum zu lösen. Die genaue Erforschung von Antimaterie ist deshalb so wichtig, um zu verstehen, warum sich nach dem Urknall Materie und Antimaterie nicht vollständig gegenseitig vernichtet haben - letztendlich also, warum das Universum überhaupt entstehen konnte.

Das Proton besitzt, wie andere Teilchen auch, eine Art Eigendrehimpuls, den Spin. Es ist mit einem winzigen Stabmagneten vergleichbar: ein Spin-Quantensprung entspricht dem Umklappen der Magnetpole. Der Nachweis des Protonenspins ist allerdings eine große Herausforderung. Während beim Elektron und seinem Antiteilchen, dem Positron, bereits in den 1980er Jahren die magnetischen Momente gemessen und verglichen wurden, ist dies bei einem Proton bislang nicht gelungen. "Das magnetische Moment des Protons ist schon lange bekannt. Bisher ist es jedoch nie gelungen, es direkt an einem einzelnen Proton zu beobachten, sondern nur an Teilchenensembles", sagt Stefan Ulmer aus der Arbeitsgruppe von Jochen Walz am Institut für Physik und am neuen Helmholtz-Institut Mainz. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass das magnetische Moment des Protons etwa 660 Mal kleiner ist als das des Elektrons - das Mess-Signal ist also wesentlich geringer.

Wichtiger Zwischenschritt

Die Zusammenarbeit von Forschern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Helmholtz-Instituts Mainz (HIM), des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in Heidelberg und des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung Darmstadt hat in fünfjährigen Vorarbeiten ein Präzisionsexperiment entwickelt, das nun die Feuerprobe bestanden hat. "Der erste Nachweis der Spin-Richtung eines Protons ist in unserer Falle gelungen", freut sich Ulmer.

Damit ist der Weg frei für direkte Hochpräzisionsmessungen des magnetischen Moments sowohl eines Protons als auch eines Antiprotons - Letzteres dann voraussichtlich am CERN, dem europäischen Labor für Teilchenphysik in Genf, oder bei FLAIR/GSI in Darmstadt. Das magnetische Moment des Antiprotons ist gegenwärtig lediglich auf drei Nachkommastellen bekannt. Die in den Mainzer Labors angewandte Messmethode sollte eine Verbesserung der Messgenauigkeit um eine Million ermöglichen und würde einen hochempfindlichen Test der CPT-Symmetrie darstellen, welche für das physikalische Weltbild fundamental ist.  (red)

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