44 Menschen bei Flugzeugunglück getötet

21. Juni 2011, 17:22
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52 Passagiere an Bord - Behörde: Landebahnbeleuchtung defekt - Genaue Ursache aber noch unklar

Moskau - Bei einem Flugzeugunglück im Norden Russlands sind mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten könnte noch steigen, weil sieben Schwerverletzte in Lebensgefahr schwebten, sagte eine Sprecherin des russischen Ministeriums für Katastrophenschutz am Dienstag. Das Unglück ereignete sich am späten Montagabend in dichtem Nebel beim Landeanflug auf die Stadt Petrosawodsk in der Region Karelien, etwa 700 Kilometer nordwestlich von Moskau. Österreicher waren laut Auskunft des Außenministeriums in Wien nicht betroffen.

Das Flugzeug des Typs Tupolew-134 kam aus Moskau. Nach Angaben von Rettungskräften streifte die Unglücksmaschine beim Landeanflug mehrere Bäume und einen Strommast. Dadurch fiel kurzzeitig die Landebahn-Beleuchtung aus. Danach stürzte sie etwa 700 Meter von der Landebahn entfernt auf einer Straße ab, zerbrach in mehrere Teile und ging in Flammen auf. Das Unglück ereignete sich kurz vor Mitternacht Ortszeit.

"Pilotenfehler"

Der für den Luftverkehr zuständige stellvertretende Ministerpräsident Sergej Iwanow sagte in Paris, nach ersten Daten sei es ganz klar ein Pilotenfehler gewesen. "Bei schlechten Wetterbedingungen kam er nach rechts ab und versuchte im Nebel bis zur letzten Minute, die Landebahn zu erblicken. Er fand sie nicht, und es passierte, was eben passierte."

Auf der Internetseite http://www.lifenews.ru wurde ein Fluglotse mit den Worten zitiert, der Pilot habe die Empfehlung ignoriert, eine weitere Platzrunde zu fliegen und einen neuen Landeanflug zu versuchen. Wegen des Nebels habe die Sichtweite bei 2.100 Meter gelegen.

An Bord der Maschine waren nach offiziellen Angaben 52 Menschen, darunter neun Besatzungsmitglieder. Die meisten Passagiere stammten aus Russland. Neben dem Deutsch-Russen sollen auch ein Schwede, zwei Ukrainer, ein Niederländer sowie vier Personen mit russischer und US-Staatsbürgerschaft unter den Reisenden gewesen sein. Unter den zunächst Überlebenden war auch ein zehnjähriger Bub. Sein Zustand sei aber extrem schlecht, er sei dem Tode nahe, sagte Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa.

Unter den Opfern hat sich auch der russische Fußball-Spitzenschiedsrichter Wladimir Pettaj befunden. Der 38-Jährige, der seit 2010 FIFA-Status hatte, hatte vor kurzem sein 100. Spiel in der russischen Liga absolviert.

Kritik an Tupolew

Präsident Dmitri Medwedew hatte kürzlich seine Tupolew gegen ein in Frankreich hergestelltes Modell eingetauscht und Mängel in der heimischen Produktion von Flugzeugen kritisiert. Auch bei der im April 2010 abgestürzten Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski handelte es sich um ein Fabrikat des zu Sowjet-Zeiten gegründeten Unternehmens, und zwar um das Modell Tu-154. Damals kamen außer Kaczynski 95 Menschen ums Leben.

(APA)

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    Die Maschine stürzte in ein Wohngebiet. Es wurde jedoch außerhalb des Flugzeugs niemand verletzt.

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