Wiener Volkspartei will Hauptbahnhof mit U5 erschließen

16. Juni 2011, 13:30
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VP-Stadtrat Gerstl möchte schon jetzt mit dem Tunnelbau beginnen

Wien - Die Wiener ÖVP unternimmt einen weiteren Vorstoß in Sachen U5, die man derzeit im Wiener U-Bahn-Netz noch vergeblich sucht. Die neue Linie soll unter anderem den künftigen Hauptbahnhof erschließen, schlugen der nicht amtsführende VP-Stadtrat Wolfgang Gerstl und Landesgeschäftsführer Alfred Hoch am Donnerstag in einer Pressekonferenz vor. Damit wäre die zentrale Station nach Ansicht der ÖVP im erforderlichen Ausmaß ans Öffi-Netz angebunden, was laut ÖVP nach den aktuellen Plänen nämlich nicht der Fall ist.

"Die Planungen derzeit sind nicht ausreichend", warnte Gerstl. Aus dem innerstädtischen Bereich würde nur die U1 zum Bahnhof führen. Doch diese Linie sei bereits jetzt an der Grenze ihrer Kapazitäten. Laut Gerstl besteht noch die Chance, die entsprechenden Planungsfehler zu korrigieren

Vorschlag laut SPÖ nicht durchdacht

Die Wiener SPÖ bezeichnete den Vorstoß als nicht durchdacht, etwa was die Finanzierung betreffe: "Die U-Bahn durch dicht verbautes Gebiet zu bauen, kostet pro Kilometer ca. 200 Mio. Euro", so SP-Verkehrssprecher Karlheinz Hora in einer Aussendung. Auch sei die U1 keineswegs an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt und könne 25 Prozent mehr Passagiere aufnehmen, versicherte Hora weiter.

"Neben mehr als einem halben Dutzend S-Bahnlinien, einer U-Bahn-, drei Straßenbahn- und zwei städtischen Buslinien werden auch mehrere regionale Buslinien den Verkehrsknotenpunkt direkt tangieren bzw. queren", betonte der SP-Verkehrssprecher. Auch der Rechnungshof habe etwa befunden, dass eine direkte Anbindung der U2 an den Hauptbahnhof nicht sinnvoll sei.

Geschätzte Bauzeit: 25 Jahre

Laut ÖVP-Plänen könnte die neue Linie vom Hauptbahnhof aus in den Nordwesten führen. Konkret wird folgende Trasse vorgeschlagen: Im ersten Ausbauschritt könnte die U5 von der projektierten Endstation der U2 bei der Gudrunstraße unter den Bahngleisen zur künftigen Station Hauptbahnhof (ehemals: Südtiroler Platz, Anm.) führen, also nur eine Kurzverbindung wie der einst angedachte und wieder verworfene Cable-Liner darstellen.

Später wäre ein Ausbau der Linie über Pilgramgasse, Neubaugasse, Rathaus, Alser Straße bis nach Dornbach möglich. In die andere Richtung könnte der Leberberg in Simmering erschlossen werden. Insgesamt würde die Umsetzung des Projekts rund 25 Jahre dauern, schätzt die Volkspartei.

Die ÖVP fordert nun, bereits bei den jetzigen Bauarbeiten für den Hauptbahnhof die entsprechende Röhre am Gelände zu graben. Damit, so hieß es, würde man sich zumindest in diesem Bereich eine Neuaufgrabung ersparen. Die Kosten für die sogenannte Leerverrohrung würden laut Gerstl rund 180 Mio. Euro betragen.Umsetzung für Bürgermeister Häupl nicht ausgeschlossen

Phantom U5

Während die Nummerierung des U-Bahnsystems durchgängig von U1 bis U4 läuft, trägt die fünfte und letzte Linie den Namen U6. Der Grund: Im Laufe der U-Bahn-Planungen wurden verschiedenste Konzepte für eine Linie U5 gewälzt, jedoch - meist aus finanziellen Gründen - immer wieder zurückgestellt.

Die ersten Planungen 1966 hatten einen Trassenverlauf von Hernals über die Alser Straße, den Schottenring hinaus zum Praterstern und dem Ernst-Happel-Stadion vorgesehen. Da die Bezeichnung "U5" nicht vergeben ist, geistert diese "Netzlücke" in periodischen Abständen als Nummerierung durch diverse Ausbaupläne.

So sah ein weiterer Vorschlag Mitte der 1970er Jahre eine U5 vor, die zwischen Längenfeldgasse, Südbahnhof, Schlachthausgasse und Erdberg verkehren hätte sollen. 2001 forderte die Wiener ÖVP eine Linie U5 von Dornbach bis zum Landesgericht, von dort über die U2-Gleise zum Karlsplatz und dann weiter zur Wienerberg-City im Süden. Heute sprach sich die Volkspartei dafür aus, den künftigen Hauptbahnhof mit einer U5 zu erschließen.

Trotz der Kritik von SP-Verkehrssprecher Hora versprach Wiens Bürgermeister Michael Häupl noch im vergangenen Herbst, über die "Vision einer U5" nachdenken zu wollen. Zeitpläne für eine mögliche Umsetzung liegen jedoch noch nicht vor - genauso wenig wie eine Finanzierung. Dazu müsste es vorher Verhandlungen mit dem Bund geben: Denn die Kosten für die Wiener U-Bahn teilen sich üblicherweise Stadt und Bund jeweils zur Hälfte. (APA/red)

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    Wenn es nach der Wiener ÖVP geht, sollen unter dem neuen Hauptbahnhof schon bald neue Baustollen für eine U-Bahn-Trasse entstehen.

  • Die Forderung nach einer U5 ist nicht neu. Erst im vergangenen September stellte die ÖVP ein konkretes Konzept vor – das heutige Argument einer Anbindung an den Hauptbahnhof gab es damals noch nicht.
    grafik: övp

    Die Forderung nach einer U5 ist nicht neu. Erst im vergangenen September stellte die ÖVP ein konkretes Konzept vor – das heutige Argument einer Anbindung an den Hauptbahnhof gab es damals noch nicht.

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