"Bei anderen Regierungen ist es schwieriger"

13. Juni 2011, 20:43
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Der Austroamerikaner Felix Marquardt vermarktet NGOs und Regierungen

Die georgische hat eine besondere Geschichte zu erzählen, sagt er. Markus Bernath traf den PR-Mann in Tiflis.

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STANDARD: Sie finden Georgien gut?

Marquardt: Ich liebe es! Es hat die derzeit innovativste und jüngste Regierung der Welt.

STANDARD: Werbung für Regierungen ist so eine Sache. Entweder eine Geschichte stimmt oder sie stimmt nicht. Ist es nicht so?

Marquardt: In Kontinentaleuropa hat PR kein gutes Image, im Grunde denkt man, das ist Propaganda: Wenn jemand versucht, eine Geschichte zu verkaufen, dann ist sie es nicht wert. Das kann so sein. Aber es gibt Regierungen, die eine wunderbare Geschichte zu erzählen haben, wie Georgien oder wie Brasilien, Kolumbien oder Indonesien. Bei anderen Regierungen ist es ein bisschen schwieriger.

STANDARD: Können Sie Syrien verkaufen?

Marquardt: Ich bin ja kein Spin-Doktor. Ganz klare Antwort: Syrien unter den Assads war schon vor dem Massaker von Hama 1982 eines der brutalsten Regime der Welt. Noch bis vor kurzem hatten die Leute nicht gewagt zu denken, weil sie so viel Furcht hatten, verhaftet zu werden.

STANDARD: Sie haben hier in Tiflis eines Ihrer "Atlantischen Dinner" organisiert. Was hat das gebracht?

Marquardt: Die "Atlantischen Dinner" waren meine Antwort auf ein Problem, von dem ich zuerst dachte, es sei ein rein französisches Phänomen: In Paris versammelt sich die lokale Elite und debattiert, ohne dass Ausländer dabei sind. Und die Expats in Paris treffen sich und bleiben auch untereinander. Wie ist das heutzutage noch möglich? In Wirklichkeit gibt es aber nur wenige globale Städte wie London oder New York, in denen sich die internationale Gemeinschaft mit der lokalen austauscht. Tiflis war das erste "Dinner", das wir außerhalb von Frankreich gemacht haben. Wir haben den Präsidenten mit den Bloggern aus der arabischen Welt zusammengebracht. Das war spannend zu sehen. Das nächste "Atlantische Dinner" machen wir im November in Wien: Global Social Business Forum mit Nobelpreisträger Muhammad Yunus.(/DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2011)

Felix Marquardt (36) führt die PR-Agentur Marquardt & Marquardt in Paris und war Leiter der Kommunikation der "International Herald Tribune".

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    foto: standard/bernath
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